HM-HETZELMEDIA

Von       : H.HETZEL, Den Haag

Datum     : 2.10.2026

Niederlande/Königshaus

 

Gedenken an „Keti Koti“

Neue Studie: Niederländisches Königshaus war aktiv am Sklavenhandel beteiligt/Niederlande schafften als letzte große Kolonialmacht die Sklaverei erst 1863 ab/Etwa eine halbe Milliarden Euro mit Sklavenhandel verdient

Von HELMUT HETZEL

Den Haag. Das niederländische Königshaus Oranien-Nassau war in der kolonialen Vergangenheit eng mit dem Sklavenhandel  verbunden. Es hat sich „ohne Skrupel“ an der Versklavung von Menschen beteiligt und damit auch Geld verdient. Das Königshaus Oranien-Nassau spielte jedoch keine führende Rolle im Sklavenhandel der Niederlande, der hauptsächlich von der „Vereinigten Ost-Indischen und der West-Indischen Kompagnie“ (VOC und WIC) betrieben wurde.

Das „African Studies Centre“ der Universität Leiden geht auf Grundlage der „SlaveVoyages-Daten“ davon aus, dass mehr als 550.000 Sklaven von der VOC und der WIC verhandelt und rund um die Welt transportiert und verkauft wurden.

Die Haager Regierung spricht offiziell von mehr als 600.000 Sklaven, die bis 1814 von den Niederlanden verhandelt wurden.

Die Verwicklung des niederländischen Königshauses in den Sklavenhandel wird in einer neuen Untersuchung belegt, die der der studierte Historiker König Willem-Alexander persönlich in Auftrag gab und deren Abschlussbericht er  am Freitag persönlich entgegennahm. Willem-Alexander bezeichnete die Schlussfolgerungen der Sklaverei-Studie in einer ersten Reaktion als „erschütternd.“

 

ZM König Willem-Alexander der Niederlande. Foto: RVD

HM Königin Máxima der Niederlande. Foto: RVD

Neue Studie

In der Studie heißt es: „Die Oranier sind zweifellos mitverantwortlich für Kolonialismus und die Sklaverei,“ das sagte der Geschichtsprofessor und Leiter der Untersuchung, Gert Oostindie, während der Präsentation der Sklaverei-Studie in der Universität Leiden.

Von Beginn des 17. Jahrhunderts bis in die Regierungszeit von Königin Wilhelmina (1880-1948) hinein hielten die Oranier es für legitim, Kolonien zu besitzen. Die gewaltsame Niederschlagung von Sklavenaufständen ist Teil dieses dunklen Kapitels in der niederländischen Geschichte. Zu diesem dunklen Kapitel der niederländischen Kolonialgeschichte gehört auch der blutige Krieg, den sie zwischen 1945 und 1949 in ihrer Ex-Kolonie, „Nederlands-Indie“, dem heutigen Indonesien, führten. Schätzungsweise 200.000 Indonesier, die für die Unabhängigkeit ihres riesigen Inselreichs kämpften, und etwa 15.000 bis 20.000 niederländische Soldaten ließen dafür ihr Leben.

Er leitete die Untersuchung nach der Rolle des niederländischen Königshauses im Sklavenhandel: Geert Ostindie

 „Der niederländische Kolonialismus war für das Haus Oranien-Nassau wichtiger, als es das Haus Oranien-Nassau für den niederländischen Kolonialismus war“, stellte Professor Oostindie, dessen Familie selbst einen „kolonialen Namen“ trägt, weiter fest.

Nach Ansicht des Historikers Oostindies hatten die Statthalter von Oranien-Nassau, die im 17. und 18. Jahrhundert die Niederlande regierten, in den Kolonien nur sehr begrenzte Macht, also wesentlich weniger Macht als die Könige anderer europäischer Länder, wie etwa der britische König. Die Leitung in den Kolonien hatten die Direktoren der beiden großen niederländischen Handelsgesellschaften VOC und WIC.

König Wilhelm I. machte Kasse

Eine Ausnahme war König Wilhelm I. Er führte unter anderem das sogenannte Kultursystem in  Niederländisch: „Cultuurstelsel“ ein. Dabei mussten javanische Bauern in Indonesien 20 Prozent ihres Landes mit Nutzpflanzen bebauen, deren Erträge sie an die Niederländer abliefern mussten.

Wilhelm II. verfügte über dieselben Befugnisse wie sein Vater, machte davon jedoch kaum Gebrauch. Nach der Einführung der niederländischen Verfassung im Jahr 1848 wurden die Kolonien vom Parlament verwaltet

Die Sklaven-Studie trägt den Titel: „Koloniale Macht, Profit und Status.“

Sie beleuchtet auch die Finanzen. Die Erträge der Oranier aus der Ex-Kolonie Suriname und den Niederländischen Antillen, die heute noch zum Königreich der Niederlanden gehören, waren relativ gering. Im 19. Jahrhundert machten die Kolonialherren in Den Haag dort sogar Verluste, heißt es.

Rund eine halbe Milliarde Euro am Sklavenhandel verdient

In „Niederländisch-Indien,“ dem heutigen Indonesien, wurde dagegen viel Geld verdient. Dieses Geld stammte allerdings nicht nur aus den Geschäften der VOC (Niederländische Ostindien-Kompanie) oder der WIC (Niederländische Westindien-Kompanie), sondern auch aus privaten Unternehmen, in die Wilhelm I. und Prinz Hendrik, der deutsche Ehemann von Königin Wilhelmina, selbst investierten.

Aus der Studie geht hervor, dass über einen Zeitraum von vier Jahrhunderten vom Königshaus Oranien-Nassau in den Kolonien und im Sklavenhandel umgerechnet auf die heutige Währung insgesamt 566 Millionen Euro verdient wurden.

„Oranien-Nassau ist durch ihre kolonialen Einnahmen nicht außerordentlich reich geworden“, stellen die Wissenschaftler lapidar fest.

Die Gründung des Ölkonzerns Shell

Aber stimmt das? Am 16. Juni 1890 wurde in Amsterdam die “Koninklijke Nederlandsche Maatschappij tot Exploitatie van Petroleumbronnen” (Royal Dutch) gegründet. Das Unternehmen heißt heute Shell und ist Europas größter Öl- und Gaskonzern. Gerüchte, wonach der damalige König Willem III. (1817-1890) bei der Gründung der heutigen Shell und nur kurz vor seinem Tod 1890 ein umfangreiches Aktienpaket an Royal Dutch, heute Shell, erworben haben soll und die königliche Familie Oranien-Nassau auch heute noch ein umfangreiches Shell-Aktienpaket besitzt, halten sich in Den Haag hartnäckig. Sie wurden aber nie offiziell bestätigt. Willem III. soll damals etwa ein Prozent der Royal Dutch, heute Shell, -Aktien erworben haben. Beim aktuellen Börsenwert des Ölkonzerns Shell von 270 Mrd. US-Dollar wäre dieses Aktienpaket jetzt also 2,7 Mrd. US-Dollar wert.

Die Oranier waren in jener Zeit allerdings keine Ausnahme. Auch Belgien, Deutschland, Frankreich und das Vereinigte Königreich besaßen Kolonien. Keine dieser Monarchien distanzierten sich damals davon.

Entschuldigung

Willem-Alexander ist bis heute der erste und bisher einzig Monarch, der sich persönlich für die Kolonialherrschaft der Niederlande und die Sklaverei entschuldigte und um Vergebung bat.

Das tat er am 1. Juli 2023 während der Nationalen Gedenkfeier zum Tag der niederländischen Kolonialgeschichte  in Amsterdam.

Er sagte: „Heute stehe ich hier vor Ihnen. Als Ihr König und als Teil der Regierung spreche ich heute meine Entschuldigung aus. Ich empfinde sie von ganzem Herzen.“

Er fügte hinzu: „Sklavenhandel und Sklaverei werden als Verbrechen gegen die Menschlichkeit anerkannt. Die Statthalter und Könige des Hauses Oranje-Nassau haben nichts dagegen unternommen.“

Die Niederlande schafften die Sklaverei am 1. Juli 1863 in ihren Kolonien ab, als letzte der großen ehemaligen europäischen Kolonialmächte.

Die Abschaffung der Sklaverei in der Ex-Kolonie Suriname und den niederländischen Karibikgebieten wird heute jedes Jahr am 1. Juli als „Keti Koti,“ das heißt: „Die Ketten sind gebrochen“ als Gedenktag begangen – auch in den Niederlanden.

 

Die Königliche Familie der Niederlande: von links nach rechts: Prinzessin Arianne, König Willem-Alexander, Königin Maxima, Prinzessin Alexia, Kronprinzessin Amalia

 

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König Willem-Alexander begrüsst HM-Herausgeber Helmut Hetzel im Internationalen Pressezentraum Nieuwspoort in Den Haag, 2025

Mein neues Buch, BoD, Hamburg, 2026, 334 Seiten

 

Meine vielen Begegnungen und Erlebnisse mit König Willem-Alexander, Königin Maxima,  Ex-Königin Beatrix und Prinz Claus werden darin ausführlich beschrieben. So auch der „Königswein,“ den ich zusammen mit Andrea Wirsching vom Weingut Hans Wirsching, Iphofen, zur Inthronisierung von König Willem-Alexander und Königin Maxima am 30. April 2013 exklusiv als Geschenk für das Königspaar habe abfüllen lassen. Andrea Wirsching ist seit dem 1. Oktober 2026  Geschäftsführerin des historischen Weinguts „Kartäuserhof“,  gegründet 1335, im Weingebiet: Mosel, Saar Ruwer.

In meinem Buch beantworte ich auch die vielgestellte Frage:

„Warum gibt es kein Foto des Königspaares mit dem Königswein?“

 

 

 

 

   

 

 

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