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Von       : H.HETZEL, Den Haag

Datum     : 21.12.2019

Niederlande/Schweiz/Deutschland/USA/Russland/ Nord Stream-Projekt

Nordstream-Projekt II: Niederländisch-Schweizer Unternehmen Allseas stoppt Pipeline-Verlegung in der Ostsee

Von HELMUT HETZEL

Den Haag. Der lange Arm des amerikanischen Präsidenten Donald Trump reicht bis in die Ostsee. Denn kaum hatte der US-Präsident den neuen National Defense Authorization Act (NDAA) am Freitagabend unterschrieben, da zeigt es schon Wirkung. Mit dem NDAA drohen die USA allen Firmen, die an dem Nordstream Projekt II, das Erdgas von Russland über die Ostsee nach Deutschland bringen soll, mitarbeiten, mit Sanktionen. So können die Vermögen dieser Firmen in den USA nun beschlagnahmt werden und erhalten Manager von Firmen, die am Nordstream II-Projekt mitarbeiten, ein Einreiseverbot für die USA.

Allseas, das niederländisch-schweizerische Unternehmen teilte am Samstag mit, dass es seine Arbeit an der Ostsee-Pipeline unterbrochen habe. Das für die Verlegung der Pipeline-Rohre zuständige Unternehmen verwies in einer Mitteilung auf seiner Website auf den ,,National Defense Authorization Act (NDAA)‘‘  der USA.

Das bedeutet de facto, dass die Ostsee-Pipeline vorerst nicht weiter gebaut werden kann, weil es keinen schnellen Ersatz für die Spezialschiffe der Allseas gibt.

Das Super-Schiff  Pioneering Spirit verlegt in der Ostsee vor der Insel Rügen Rohre für die Gaspipeline Nord Stream 2. Mehr als 2100 Kilometer sind bereits verlegt, rund 300 Kilometer fehlen noch. Die USA wollen die Fertigstellung des Projekts verhindern.

Der Niederländer Edward Heerema, der heute Chef des niederländisch-schweizerischen Offshore-Unternehmens Allseas mit Sitz in Rotterdam und dem schweizerischen Chatel-Saint-Denis ist, fürchtet offenbar den langen Arm von Donald Trump und den US-Behörden, denn Allseas hat große Belange auch in den USA und hat dort in Houston, Texas, auch eine Niederlassung.

Durch die Entscheidung von Allseas, den Weiterbau der Ostseegas-Pipeline Nordstream II vorerst zu stoppen, ist nun unklar geworden, wie dieser Bau weitergehen soll. Allseas schreibt auf seiner Webseite, dass man von den USA jetzt ,,Richtlinien‘‘ erwarte. Doch die Technologie und die Schiffe von Allseas sind für den Pipelinebau in der Ostsee notwendig.

 

So kommt beim Nordstream II-Projektbeispielsweise die ,,Pioneering Spirit,‘‘ das größte Offshoreschiff der Welt zum Einsatz.

Das Super-Schiff ist ein schwimmender Herkules.

Die ,,Pioneering Spirit‘‘ kann beispielsweise Bohrtürme von Ölplattformen in den Meeren mit einem Gewicht bis zu 48.000 Tonnen hochhieven und dann abtransportieren. 48.000 Tonnen, das entspricht dem Gewicht von acht Eifeltürmen.

Außerdem kann dieses Superschiff, das die Fläche von acht Fußballfeldern hat, in den Ozeanen auch Öl-, Gas-Pipelines sowie Kommunikationskabel für das Internet verlegen. Und das in einer Tiefe von bis zu 3400 Metern.

Die ,,Pioneering Spirit‘‘  ist  382 Meter lang und 124 Meter breit. Das Mega-Schiff ist mit acht 11,2 Megawatt starken Motoren ausgestattet. Sein Bau kostete 2,4 Mrd. Euro. Die Konstruktion dauerte 27 Jahre. Gebaut wurde es in Südkorea. Heimathafen ist Rotterdam.

 

Pioneering Spirt- das Super-Schiff

Das größte Schiff der Welt hat eine bewegte Vergangenheit. Es hieß zuerst ,,Pieter Schelte‘‘ wurde dann aber auf ,,Pioneering Spirit‘‘ umgetauft. Denn der erste Namensgeber war Pieter Schelte Heerema (1908-1981), der Vater von Allseas-Eigentümer und CEO Edward Heerema.

 

Pieter Schelte war im Zweiten Weltkrieg Mitglied in der Waffen-SS und wurde nach Ende des Zweiten Weltkrieges in den Niederlanden wegen Kriegsverbrechen zu einer dreijährigen Haftstrafe verurteilt. Er floh nach Venezuela und baute dort ein Schifffahrts-Imperium auf, das sein Sohn Edward Heerema erbte.

Hinter dem Gaspipeline-Projekt, das quer durch die Ostsee führt, steht der russische Staatskonzern Gazprom. Gazprom finanziert die Hälfte der geplanten Gesamtkosten von 9,5 Milliarden Euro. Die andere Hälfte finanzieren fünf europäische Energieunternehmen, darunter Wintershall Dea, OMV sowie Uniper, der Öl- und Gas-Multi Royal Dutch Shell und Engie. Förderer des Ostsee-Pipeline-Projekts ist der frühere deutsche Bundeskanzler Gerhard Schröder.

Die USA wollen das Projekt jetzt stoppen. Sie argumentieren, Deutschland mache sich dadurch in seiner Energieversorgung zu sehr von Russland abhängig. Von deutscher Seite wird die ,,Einmischung der Amerikaner in die europäische Energiepolitik‘‘ scharf kritisiert. Bundeskanzlerin Angela Merkel will Nordstream II zu Ende bauen lassen. Denn es fehlen nur noch rund 300 Kilometer an Pipelines bis zur deutschen Ostseeküste. Nur: Welche Schiffe können die restlichen Pipelines verlegen, wenn die Spezialschiffe der Allseas wegen der US-Sanktionen jetzt ausfallen?

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