HM-HETZELMEDIA

Von       : H.HETZEL, Den Haag

Datum     : 3.9.2026

Niederlande/Kunst  – The English Version please see below

 

Glaube, Hoffnung, Liebe:

„Die Bilder von van Gogh strahlen Liebe und Hoffnung aus. Sie spenden Trost“

Sensation: „Alle 88 van Gogh-Gemälde sind im Kröller-Müller Museum zu sehen“

HM-Interview mit Benno Tempel, Direktor des Kröller Müller Museums

Von HM-Herausgeber HELMUT HETZEL, Den Haag

F: Herr Tempel, vom 15. September 2026 bis zum 3. Januar 2027 sind alle 88 Gemälde von Vincent van Gogh (1853-1890) aus der Museumssammlung des Kröller Müller Museums gleichzeitig zu sehen. Das ist wunderbar – und eine Sensation. Wie haben Sie das fertig gebracht?

A: Um ehrlich zu sein, das hat sich so ergeben. Wir hatten schon lange Pläne, das Kröller Müller Museum auszubauen und zu erweitern. Der Ausbau soll nächstes Jahr beginnen. Die Planung ist komplex. Es ergab sich, dass sich der Baubeginn verschieben wird und wir stellten plötzlich fest: Oh, es ist noch Zeit, eine Ausstellung zu organisieren.  Aber welche? Das war die Frage. Dann hatten wir ein Aha-Erlebnis. Wir stellten fest, dass wir in diesem Jahr alle 88 van Gogh Gemälde im Haus haben, weil eine Menge Leihgaben zurückkamen, vor allem aus Japan. So kamen wir auf die Idee: Wir lassen alle van Gogh-Gemälde in einer speziellen Ausstellung sehen. Mit großem Enthusiasmus machten wir uns an die Arbeit. Unsere Kuratorin Renske Cohen Tervaert hatte eine zündende Idee.

F: Welche?

A: Sie wollte diese große van Gogh-Ausstellung nicht chronologisch aufbauen, sondern thematisch. Mit einem Thema, das zu Vincent van Gogh passt, nämlich: Glaube, Hoffnung, Liebe. Wir wollen den Besuchern einen neuen Blick auf die Werke von van Gogh ermöglichen, einen Blick, um den großen Künstler van Gogh auch als Menschen besser verstehen zu können.

 

Vincent van Gogh – Selbstportrait. Er malte zwischen 1886 und 1889 insgesamt 35 Selbstportraits

F: Van Gogh gilt als einer der bedeutendsten Maler des 19. Jahrhunderts. Seine Kunst hat aber erst nach seinem Tod internationale Bekanntheit und Anerkennung erlangt. Gibt es dafür eine Erklärung?

Vierzehn Sonnenblumen in einer Vase

A: Die Gemälde von Vincent van Gogh leben. Sie sind “frisch.” Beispiel Monet. Er ist echt ein Maler des 19. Jahrhunderts. Das ist van Gogh nicht. Er ist ein Maler der Moderne. Er ist heute noch immer aktuell. Er bildet das menschliche Verlangen ab: Glaube, Hoffnung, Liebe. Ohne Liebe ist das Leben traurig. Ohne Hoffnung ist das Leben aussichtslos. Die Bilder von van Gogh strahlen Liebe und Hoffnung aus. Sie spenden Trost.

Theo und Vincent

F: Ohne die Unterstützung seines Bruders Theo hätte Vincent seine Meisterwerke nie malen können. Wie würden Sie das Verhältnis zwischen Theo und Vincent beschreiben?

A: Es war eine Freundschaft, eine tiefe Freundschaft. Im 19. Jahrhundert, als es noch keine modernen Medien, kein Internet gab, war Freundschaft noch viel wichtiger als heute. Die beiden hatten eine „Seelenverwandtschaft,“ sagt man auf Deutsch. Sie verstanden sich einfach gut. Sie inspirierten sich gegenseitig. Sie waren füreinander da.

 

The van Gogh – Er und Vincent waren Seelenverwandte – Soul Brothers

F: Sie waren also „Soul Brothers“ wie man heute auf Englisch sagen würde.

A: Ja, genau. Sie haben sich auch gegenseitig inspiriert. Sie waren so etwas wie zwei Paradiesvögel. Vincent van Gogh hatte nur zehn Jahre, um sich als Künstler zu entwickeln. Seine Kunst entwickelte sich wie in einer Schnellkoch-Pfanne. Andere, „normale“ Künstler brauchen dafür bis zu 30 Jahre. Sie beginnen meist als Teenager und mit 40, 50 Jahren, haben sie dann ihren eigenen Stil entwickelt und gefunden. Bei van Gogh geschah das alles im „Schnelldurchlauf“ in nur zehn Jahren.

F: Was hat Ihrer Meinung nach Vincent van Gogh am meisten geprägt? Seine Zeit in seiner Heimat Brabant? Seine Zeit in Den Haag? Seine Zeit in Frankreich?

A: Die Niederlande und seine Schaffensphase hier waren die Grundlage, die Basis für seine Kunst. In Frankreich dann kam alles zusammen wie in einem Schmelztiegel. Er traf die bekannten Künstler dort: Paul Gauguin, Camille Pissarro, Louis Anquetin, Émile Bernard, Henri de Toulouse-Lautrec, Paul Signac, um nur einige zu nennen. Die Farben in ihren Gemälden haben van Gogh fasziniert. Aus dunkel wurde hell. „Die Kartoffelesser,“ die er April/Mai 1885 in Nuenen (Brabant) malte, gehörten jetzt der Vergangenheit an. Die „dunkle Periode“ war vorbei.

Die Kartoffelesser

Frankreich und die Begegnung mit den Künstlern dort, war für van Gogh wie eine „Erleuchtung.“

 

Mohnfeld in der Provance

 

 

Die Ebene „Lau Crau“ in der Provence

Helene Kröller Müller

 

Helene Kröller Müller – Sie kaufte das erste van Gogh-Gemälde ihrer Sammlung für – umgerechnet zum heutigen Preis – von nur: 50 Euro

F: Wir verdanken Helene Kröller Müller (1869–1939), ihrem Weitblick und ihrem Faible für die Werke von van Gogh die großartige Sammlung des nach ihr benannten Kröller Müller-Museums in Otterlo, das Sie jetzt leiten. Ihr erster Van Gogh, den sie kaufte, war 1908 das Gemälde „Waldrand,“ „Bosrand“ auf Niederländisch, aus dem Jahr 1883. Sie bezahlte dafür damals 110 Gulden, 50 Euro. Dann erwarb sie zusammen mit ihrem Mann Anton insgesamt 88 Van-Gogh-Gemälde und 172 Zeichnungen. Was war Helene für eine Frau?

A: Helene hatte ein Auge für van Gogh. Sie war eine komplexe Frau. Wie van Gogh war auch sie auf der Suche nach Sinn, Sinngebung im Leben als Ersatz für den Glauben. Sie kam aus einer großbürgerlichen Industriellenfamilie in Deutschland, in Essen. Wie van Gogh war auch sie auf der Suche. Sie fand Hoffnung und Trost in den Bildern von van Gogh. Die Hoffnung, die sie fand, gab ihr Kraft, gab ihr den Glauben in das eigene Können. Wie van Gogh erlebte sie auch, dass das Leben schwer sein kann. Das hat die beiden verbunden.

F: Was ist Ihr Lieblingsgemälde von van Gogh?

A: Oh, das ist eine schwierige Frage. Ich mag die Dramatik in van Gogh´s Bildern. Aber der „Landweg in der Provence bei Nacht“ ist es. Mit dem Zypressenbaum, den beiden Bauern im Vordergrund, dem Kornfeld, Sonne und Mond. In diesem Bild kommt alles zusammen. Es ist faszinierend – wie alle Bilder von Vincent van Gogh.

 

Landweg in der Provance bei Nacht

Landweg in der Provence bei Nacht

F: Herr Tempel, danke für das Gespräch.

Zur Person:

Benno Tempel, Direktor des Kröller Müller Museums. Foto und Copyright by: Robin De Puy

Benno Tempel (geb. 1972 in Harderwijk) ist Kunsthistoriker und Museumsdirektor. Seit 1. November 2023 ist er Generaldirektor des Kröller-Müller Museums in Otterlo.

1997–2000: Assistenzkurator am Van Gogh Museum Amsterdam; außerdem Kurator am Museum Mesdag.

2000–2006: Ausstellungskurator an der Kunsthalle Rotterdam.

Anschließend erneut am Van Gogh Museum tätig.

2009–2023: Direktor des Kunstmuseums Den Haag (früher Gemeentemuseum Den Haag), einschließlich Fotomuseum Den Haag, KM21 und Escher Museum in Den Haag.

2019: Kuratierte den niederländischen Beitrag zur 58. Biennale von Venedig mit Werken von Iris Kensmil und Remy Jungerman.

2013–2017: Vorsitzender der Jury des niederländischen Königlichen Preises für freie Malerei.

Seit 2023: Direktor des Kröller-Müller Museums, als Nachfolger von Lisette Pelsers.

Es gab sensationelle Ausstellungen unter seiner Leitung im Gemeentemuseum – heute Kunstmuseum, in Den Haag. Zwei davon waren:

Markus Lüpertz „In ´t Godelijk Licht“ – Im Göttlichen Licht, Juni bis Oktober 2011

Royals & Rebels – British Fashion  – From Posh till Punk, 2023

Links:

https://www.krollermuller.nl/de

www.hetzelmedia.com

www.helmuthetzel.com

www.haagsche-salon.com

 

English Version:

HM-HETZELMEDIA

From: H. HETZEL, The Hague

Date: 3 September 2026

Netherlands / Art

 

Faith, Hope, Love:  “Van Gogh’s paintings radiate love and hope.

They offer comfort.”

A Sensation: “All 88 Van Gogh paintings on display at the Kröller-Müller Museum”

HM Interview with Benno Tempel, Director of the Kröller-Müller Museum

By HM Publisher HELMUT HETZEL, The Hague

Q: Mr Tempel, from 15 September 2026 until 3 January 2027, all 88 paintings by Vincent van Gogh (1853–1890) from the Kröller-Müller Museum’s collection will be on display simultaneously. This is wonderful — and a sensation. How did you manage to make this happen?

A: To be honest, it simply came about that way. We had been planning for a long time to expand and enlarge the Kröller-Müller Museum. Construction is scheduled to begin next year. The planning is complex. It became clear that the start of construction would be postponed, and we suddenly realised: “Oh, there is still time to organise an exhibition.” But which one? That was the question.

Then we had an “aha” moment. We realised that this year we would have all 88 Van Gogh paintings in the museum, because a large number of works on loan were being returned, particularly from Japan. That gave us the idea: why not present all the Van Gogh paintings in a special exhibition?

We set to work with great enthusiasm. Our curator, Renske Cohen Tervaert, had a brilliant idea.

Q: What was it?

A: She did not want to organize this major Van Gogh exhibition chronologically, but rather thematically. With a theme that fits Vincent van Gogh perfectly: Faith, Hope, Love.

We want to give visitors a new perspective on Van Gogh’s works — a perspective that will also allow them to understand the great artist Van Gogh better as a human being.

Vincent van Gogh self-portrait. Between 1886 and 1889 he painted 35 self-portraits

Q: Van Gogh is regarded as one of the most important painters of the 19th century. Yet his art only gained international fame and recognition after his death. Is there an explanation for this?

A: Vincent van Gogh’s paintings are alive. They are “fresh”. Take Monet, for example. He really is a painter of the 19th century. Van Gogh is not. He is a painter of modernity. He is still relevant today. He reflects the human longing for faith, hope and love. Without love, life is sad. Without hope, life is without prospects.

Van Gogh’s paintings radiate love and hope. They offer comfort.

View to „Lau Crau“ in the Provence, France

Theo and Vincent

Q: Without the support of his brother Theo, Vincent would never have been able to paint his masterpieces. How would you describe the relationship between Theo and Vincent?

A: It was a friendship — a deep friendship. In the 19th century, when there were no modern media and no internet, friendship was perhaps even more important than it is today.

In German, we would say they were „Seelenverwandte“ — kindred spirits. They simply understood each other. They inspired one another. They were there for each other.

 

Theo van Gogh – He and Vincent had been soul brothers

Q: So they were “soul brothers”, as we would say in English today.

A: Yes, exactly. They inspired each other, too. They were something like two exotic birds.

Vincent van Gogh had only ten years in which to develop as an artist. His artistic development took place almost like something in a pressure cooker. Other, “normal” artists need up to 30 years. They usually start as teenagers and by the age of 40 or 50 they have developed and found their own style.

With Van Gogh, everything happened in fast-forward, in just ten years.

Q: What, in your opinion, had the greatest influence on Vincent van Gogh? His time in his native Brabant? His years in The Hague? Or his time in France?

A: The Netherlands and the period in which he worked here provided the foundation, the basis for his art.

In France, everything then came together like a melting pot. He met the well-known artists there: Paul Gauguin, Camille Pissarro, Louis Anquetin, Émile Bernard, Henri de Toulouse-Lautrec, Paul Signac, to name just a few.

Van Gogh was fascinated by the colours in their paintings. Darkness gave way to light.

The Potato Eaters, which he painted in Nuenen, Brabant, in April and May 1885, now belonged to the past. The “dark period” was over.

The Potato Eaters

France and his encounters with the artists there were like an “enlightenment” for Van Gogh.

Poppy field, Provence, France

Helene Kröller-Müller

Helene Kröller Müller – she had a passion for van Gogh´s work. She bought the first van Gogh-painting of her collection for – todays price-equivalent – only 50 Euro

Q:We owe Helene Kröller-Müller (1869–1939), her vision and her passion for Van Gogh’s work, the magnificent collection of the Kröller-Müller Museum in Otterlo, which you now direct. The first Van Gogh she purchased was the 1883 painting Forest Edge, Bosrand in Dutch, in 1908. She paid 110 guilders for it at the time — around 50 euros. Together with her husband Anton, she subsequently acquired a total of 88 Van Gogh paintings and 172 drawings. What kind of woman was Helene?

A: Helene had an eye for Van Gogh. She was a complex woman. Like Van Gogh, she was searching for meaning — for a sense of purpose in life as a substitute for faith.

She came from a wealthy industrial family in Essen, Germany. Like Van Gogh, she was also searching. She found hope and comfort in Van Gogh’s paintings.

The hope she found gave her strength. It gave her confidence in her own abilities. Like Van Gogh, she experienced that life can be difficult. That is what connected the two of them.

Q: What is your favorite Van Gogh painting?

A: Oh, that is a difficult question. I like the drama in Van Gogh’s paintings. But if I have to choose one, it is “Country Road in Provence by Night.” With the cypress tree, the two farmers in the foreground, the wheat field, the sun and the moon. Everything comes together in this painting.

It is fascinating — like all the paintings by Vincent van Gogh.

Country road in the Provence by night

Q: Mr Tempel, thank you very much for the interview.

 

About Benno Tempel

Benno Tempel – Director of the Kröller Müller Museum. Foto and Copyright by Robin De Puy

 

Benno Tempel (born 1972 in Harderwijk) is an art historian and museum director. Since 1 November 2023, he has been Director General of the Kröller-Müller Museum in Otterlo.

1997–2000:

Assistant curator at the Van Gogh Museum in Amsterdam; also curator at Museum Mesdag.

2000–2006:

Exhibition curator at Kunsthal Rotterdam. He subsequently returned to the Van Gogh Museum.

2009–2023:

Director of the Kunstmuseum Den Haag (formerly Gemeentemuseum Den Haag), including the Fotomuseum Den Haag, KM21 and Escher Museum in The Hague.

2019:

Curator of the Dutch contribution to the 58th Venice Biennale, featuring works by Iris Kensmil and Remy Jungerman.

2013–2017:

Chairman of the jury for the Dutch Royal Award for Modern Painting.

Since 2023:

Director of the Kröller-Müller Museum, succeeding Lisette Pelsers.

During his leadership at the former Gemeentemuseum — now Kunstmuseum Den Haag — he was responsible for a number of sensational exhibitions.

Two of them were:

Markus Lüpertz — “In ’t Godelijk Licht” (In the Divine Light) June–October 2011

Royals & Rebels — British Fashion: From Posh till Punk, 2023

Links:

https://www.krollermuller.nl/de

www.hetzelmedia.com

www.helmuthetzel.com

www.haagse-salon.com

A small collection of the fascinating paintings of Vincent van Gogh

 

   

 

 

 

 

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