Datum     : 17.4.2019

ING hat Interesse an Übernahme der Commerzbank

Niederländer bereit, Hauptsitz von Amsterdam nach Frankfurt/Main zu verlegen bei Fusion

Von HELMUT HETZEL

Den Haag. Die niederländische Großbank ING hat Interesse an der Übernahme der deutschen Commerzbank. ING-Vorstandschef Ralph Hamers soll bereits mit seinem Kollegen Martin Zielke von der Commerzbank sowie mit der deutschen Bundesregierung Kontakt aufgenommen haben, um die Pläne der ING darzulegen. Das berichtet das deutsche ,,Manager Magazin.‘‘ Aber weder die ING noch die Commerzbank, noch die deutsche Regierung wollen sich bisher dazu äußern. In Amsterdamer Finanzkreisen aber wird bestätigt, dass die ING ,,großes Interesse‘‘ an einer Übernahme der Commerzbank hat. Demnach soll ING-Chef Hamers sogar dazu bereit sein, im Zuge einer Fusion zwischen der ING und der Commerzbank den Hauptsitz der neuen Bankenkombination von Amsterdam nach Frankfurt/Main zu verlegen. Ferner soll Hamers der Bundesregierung in Berlin als auch der Commerzbank zugesichert haben, dass es im Falle einer Übernahme der Commerzbank durch die Niederländer weit weniger Entlassungen geben werde als wenn die Commerzbank mit der Deutschen Bank fusioniert. Eine solche Fusion zwischen der Deutschen Bank und der Commerzbank, die offenbar von der Bundesregierung in Berlin favorisiert wird, könnte nach Ansicht von Finanzexperten einen Stellenabbau von bis zu 30.000 Mitarbeitern bei der Deutschen Bank und der Commerzbank zur Folge haben, vor allem deswegen, weil das Filialnetz der beiden deutschen Großbanken in der Bundesrepublik erheblich ausgedünnt werden müsste. Bei einem Zusammengehen zwischen der ING und der Commerzbank wäre dies völlig anders. Viel mehr Commerzbank-Filialen könnten erhalten bleiben, weil die ING mit ihrer deutsche Tochter Diba, eine digitale Direktbank ist und die Geschäfte bei der ING schon größtenteils über Internet abgewickelt werden. Die Deutsche Bank und die Commerzbank dagegen hinken in Sachen Digitalisierung und Internetbanking der ING weit hinterher.

Die ING ist das Facebook unter den Banken

ING-Chef Ralph Hamers kann daher mit Fug und Recht behaupten: ,,Wir sind das Facebook unter den Banken.‘‘

 

 Ralph Hamers – CEO der ING Bank

Die ING Bank digitalisiert ihre Bankengeschäfte  rasend schnell. Das steigert die Effizienz und das senkt die Kosten. ,,Die ING Bank hat eine hervorragende Kosten-Einkommens-Ratio,‘‘ sagt Analyst Rob van Hout von der van Hout Investment Research in Amsterdam im Gespräch mit unserer Zeitung. ,,Für jeden Euro, den die ING Bank verdient, fallen derzeit Kosten von nur 0,56 Euro an. Zum Vergleich: Bei der Deutschen Bank fallen je verdienten Euro Kosten von 0,94 Euro an. Bei der Commerzbank sind es Kosten von 0,86 Euro je verdientem Euro. Die  ING Bank arbeitet also wesentlich effizienter als beispielsweise Deutsche Bank und Commerzbank.‘‘

Würde das erfolgreiche digitale Geschäftsmodell der ING auch bei der Commerzbank nach einer Fusion eingeführt, könnte das enorme Synergie-Effekte generieren.

ING Top-Performer

Besser als Commerzbank und Deutsche Bank

Das digitale ING-Geschäftsmodell schlägt sich entsprechen positiv in den Ergebnissen der niederländischen Bank nieder. Im vergangenen Jahr verdiente die ING Bank netto 4,70 Mrd. Euro oder 1,21 Euro je Aktie. Das ist zwar etwas weniger als in 2017 als unter Strich ein Gewinn von 4,91 Mrd. Euro erwirtschaftet werden konnte. Doch der Gewinn in 2018 wurde um 775 Mio. Euro gedrückt, weil die ING Bank an den niederländischen Staat ein entsprechend hohes Bußgeld wegen mangelnder Transparenz in manchen Bankgeschäften zahlen musste. Lässt man diesen einmaligen Bußgeld-Aufwand außen vor, dann verdiente die ING Bank in 2018 per Saldo mit rund 5,5 Mrd. Euro 9 % mehr als in 2017. Das ist eine Top-Performance.

Dagegen ist das Ergebnis der Commerzbank für 2018 blass. Die zweitgrößte deutsche Bank konnte zwar den operativen Gewinn um 10 % auf 1,2 Mrd. Euro steigern und netto 865 Mio. Euro in 2018 verdienen. Das aber nur deshalb weil die Risikovorsorge für ,,faule Kredite‘‘ mit 446 Mio. Euro in 2018 deutlich niedriger war als im Jahr davor.

 

Die Deutsche Bank schaffte es, in 2018 erstmals seit 2014  wieder, einen Gewinn zu erwirtschaften, wenn auch einen spärlichen. Das operative Bruttoergebnis stieg im vergangenen Jahr um 8 % auf 1,3 Mrd. Euro, von dem netto aber nur 341 Mio. Euro übrig blieben, nach einem Verlust von 735 Mio. Euro im Vorjahr.

Kombination ING-Commerzbank – neue europäische Großbank

Sowohl die Performance der Deutschen Bank als auch die der Commerzbank ist im Vergleich zu der der ING Bank, gelinde gesagt, schwach. Eine Übernahme der Commerzbank, an der der deutsche Staat noch zu 15,6 % beteiligt ist, durch die schon voll digitalisierte niederländische ING Bank, die in Deutschland schon rund neun Millionen  Kunden betreut, könnte die zweitgrößte deutsche Bank wieder auf Vordermann bringen und ein solides neues und großes europäisches Bankhaus kreieren. Vorausgesetzt es kommt nicht zur Fusion zwischen Deutsche Bank und Commerzbank und auch die italienische Unicredit Bank kommt bei der Commerzbank nicht zum Zuge.

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