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Aktientipp: Aalberts Industries - Niederlande

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,,Bei schönem

  Wetter  kann jeder

  segeln

  im Sturm

  beweist  sich der

  Meister‘‘

HM-Interview mit Jan Aalberts - CEO Aalberts Industries

Von HELMUT HETZEL

Den Haag. Die Aalberts Industries, eine der kleinen aber feinen Perlen unter den niederländischen Unternehmen, litt ebenfalls unter der jüngsten Krise, hat diese aber relativ gut durchstanden, da das Unternehmen nicht in die roten Zahlen rutschte.


In der ersten Jahreshälfte 2009 sanken die Aalberts-Umsätze um 23 % auf 701 Mio. Euro. Das Nettoresultat ging um 73 % auf 18,3 Mio. Euro oder 0,17 Euro je Aktie zurück. Das Betriebsergebnis Ebita sank um 63 % auf 38,7 Mio. Euro. Auftragseinbrüche gab es vor allem bei den Bestellungen aus der Automobil- und der Flugzeug- sowie der Halbleiterindustrie. Im dritten und vierten Quartal zeichnet sich in der Geschäftsentwicklung aber bereits eine deutliche Verbesserung ab.

Aalberts Industries stellt Flüssigkeitskontrollsysteme (Flow Control) her und bietet industrielle Serviceprodukte an. Die Palette der Flüssigkeitskontrollsysteme ist breit. Sie reicht von Bierzapfanlagen bis zu Armaturen und Messgeräten.
Der 69jährige Firmengründer und Chief Executive Officer (CEO) Jan Aalberts hegt nun schon wieder Akquisitionspläne. Wie hat er das von ihm vor 35 Jahren gegründete Unternehmen durch die stürmischen Zeiten der jüngsten Rezession gelotst?
Antwort: ,,Wir haben rasch reagiert. Weltweit wurden rund 1900 von insgesamt 11.900 Stellen abgebaut, die Kosten gesenkt. Die Forschungsabteilung blieb aber unangetastet. Für den Verkauf und das Marketing haben wir sogar 50 neue Leute eingestellt. Merke: Bei schönem Wetter kann jeder segeln. Im Sturm beweist sich der Meister. Daher wurden auch einige Managementfunktionen neu besetzt. Wir hatten aber keine Liquiditätsprobleme.‘‘ Folge: Es gab keinen akuten Refinanzierungsbedarf.

 

Jan Aalberts

 

                           Jan Aalberts - der Firmengründer

                                      Krise durchstanden

,, Wir hatten einen finanziellen Spielraum von rund 200 Mio. Euro. Allerdings ist unsere Verschuldungsratio im Zuge der Krise schlechter geworden. Die Ebitda - Nettoschuld-Kennzahl stieg von 3,0 auf 3,9 im Juni 2009 an, weil wir 2008 noch 300 Mio. Euro bei den Banken für Übernahmen geliehen hatten. Die Banken machten Druck. Sie verlangten von uns sogar, eine Bezugsrechtsemission durchzuführen. Aber das taten wir nicht. Wir haben uns darauf verständigt, dass wir für die letzte Hälfte 2009 und die erste Hälfte 2010 für unsere Kredite einen etwas höheren Zinssatz bezahlen. Wir streben nun eine Ebitda-Nettoschuld-Ratio von 3,0 % an.‘‘


Nach Ansicht von Jan Aalberts hellt sich die weltwirtschaftliche Lage wieder auf. ,,Die Vorräte in den Lagern unserer Kunden sind aufgebraucht. Es kommen wieder mehr Bestellungen. Das zeichnete sich bereits im zweiten Quartal 2009 ab in Sektoren wie der Halbleiterindustrie, der Medizin und in Regionen wie Osteuropa. Es ist aber noch eine fragile Erholung. Eine gewisse Unsicherheit besteht fort. Die sich verbessernde Entwicklung im zweiten Quartal hat sich im dritten Quartal fortgesetzt, das vierte Quartal läuft noch, aber es ist nicht schlechter begonnen als das dritte. Es wird aber wohl noch einige Zeit dauern, bis wir wieder das Umsatz- und Gewinn-Niveau von 2007/2008 erreicht haben,‘‘ stellt Aalberts fest. ,,In 2010 wollen wir wieder akquirieren.‘‘

Die Flüssigkeitskontrollsysteme haben in der Akquisitionsstrategie klare Priorität. ,,Wir haben eine Short-List mit zwei, drei Unternehmen, die uns interessieren. Wir kaufen aber nur, wenn der Gewinn je Aktie durch die Akquisition nicht verwässert wird. Eine Emission ist zwar im Prinzip möglich. Aber das zu übernehmende Unternehmen muss direkt einen Beitrag zur Steigerung des Gewinns je Aktie liefern.‘‘

Die geografischen Schwerpunkte der geplanten Expansion liegen in den USA und in Westeuropa. Der asiatische Markt ist allerdings auch im Visier.
,,Wir produzieren und verkaufen in China. Wir verkaufen in China beispielsweise Produkte, die in Dänemark hergestellt worden sind. Wir haben in China etwa 1000 Mitarbeiter. In Indien sind wir noch nicht vertreten, auch Südamerika und Afrika ist noch ein weitgehend weißer Fleck auf der Landkarte für unsere Produkte. Aber unser Ziel ist derzeit, dass wir hauptsächlich in den USA wachsen wollen, um dort unseren Umsatz auf eine Mrd. Dollar zu verdreifachen. Doch die USA haben die Rezession noch nicht ganz überwunden.‘‘

Aalberts Industries setzt weiterhin auf das interne Cross Selling System mit dem das Unternehmen interne Synergien kreiert. So funktioniert es:

,, Wir kaufen keine Konkurrenten. Wir suchen Märkte und Länder, auf und in denen wir noch nicht präsent sind. Wir wollen unser Produktmix so erweitern. Wir produzieren auch in den Ländern, in denen wir unsere Produkte verkaufen. Wir sind häufig auch Zulieferer für unsere eigenen Produkte, beispielsweise bei der Veredlung von Antriebsachsen für Autos, der Oberflächenveredlung von Flugzeugen, der Herstellung von Solarstationen. Deutschland ist dafür aber auch bei den Antriebsachsen für Autos unser größter Markt. Überhaupt ist Deutschland einer unser wichtigsten Absatzmärkte überhaupt und ein wichtiger Produktionsstandort. Wir liefern auch die Beschichtungen von Saugriemen für die VW-Motoren mit 1,4 Liter Hubraum. Das Cross Selling-Prinzip macht es möglich, dass wir die Investitionen für Akquisitionen relativ schnell zurückverdienen können,‘‘ stellt Jan Aalberts fest.

In der Schweiz ist Aalberts über die beiden Tochterunternehmen Duralloy und Riag aktiv, die auch in Deutschland am Markt sind. Diese beiden Unternehmen sind führend in der Dünnchrombeschichtungs-Technologie, die in der Luftfahrt und der Medizintechnik Anwendung findet.

Jan Aalberts hat Expansionspläne für die Schweiz. ,,Wir planten vor einiger Zeit eine Übernahme dort. Aber leider kam sie nicht zustande. Wir exportieren aber viel in die Schweiz. Die Schweiz ist für uns ein wichtiger Markt.‘‘


Die Aalberts-Strategie ist klar. Der Firmenchef definiert sie so: ,,Wir wollen auf allen Märkten, auf denen wir tätig sind, ein tonangebender Spieler sein. Wir wachsen autonom und über Akquisitionen. Wir streben eine Ebit-Marge von 10 bis 12 % jährlich an und ein Umsatz- und Gewinnwachstum von 15 % jährlich an. 2009 wird das jedoch nicht gelingen.‘‘

Wenn möglich will Aalberts selbständig bleiben. Doch wenn ein interessantes Kaufangebot käme, werde das zu prüfen sein. ,,Wir sind an der Börse kotiert. Ich halte noch 14 % an meinem Unternehmen. Wenn ein gutes Angebot kommt, das strategisch sinnvoll ist und wenn ein guter Kaufpreis geboten wird, dann müssen wir mit einem potenziellen Käufer reden. Das werden wird dann auch tun, wenn ein solches Angebot auf dem Tisch liegt.‘‘

 

Analyst Nico van Geest: Aktien sind klarer Kauf

 

Aalberts Industries ist aufgrund seiner Spezialisierung besonders abhängig von den Grundstoffpreisen. In erster Linie von Kupfer und Messing. Aber auch von den Preisen für Edelstahl, Aluminium und für Kunststoffe. Im März kostete eine Tonne Kupfer noch 3000 Dollar, jetzt kostet sie wieder 6000 Dollar. Aber: ,,Wir spekulieren nicht mit Grundstoffen. Wir versuchen, die Steigerung der Grundstoffpreise an unsere Kunden durch zu berechnen. Bisher ist das fast immer gelungen,‘‘ meint Jan Aalbers.

Ziel von Aalberts ist es weiterhin, ein Umsatzwachstum von 15 % pro Jahr zu realisieren. Auf Basis der aktuellen Gewinnschätzungen sind die Industrieaktien mit einem KGV von 13 für 2010 bewertet. Nico van Geest, Chefanalyst der Amsterdamer Effektenbank Keijser Capital, sieht die Titel als klaren Kauf mit einem Kursziel von 11,75 Euro. Aalberts wird von einer wirtschaftlichen Erholung überdurchschnittlich profitieren und kann aus dem internen Cross Selling-System weitere Synergien schaffen. Die Titel sollten daher ins Portefeuille genommen werden.

 

Aalberts Industries - Die Aktienanalyse

Htz. In den vergangenen 20 Jahren schaffte es das Industrie-Konglomerat Aalberts Industries regelmäßig, jährlich um 15 % zu wachsen und zweistellige Gewinnzuwächse zu erwirtschaften. Das wird wegen der weltweiten Wirtschaftskrise in 2009 nicht gelingen. In der ersten Jahreshälfte 2009 sanken die Aalberts-Umsätze um 23 % auf 701 Mio. Euro. Das Nettoresultat ging um 73 % auf 18,3 Mio. Euro oder 0,17 Euro je Aktie zurück. Das Betriebsergebnis Ebita sank um 63 % auf 38,7 Mio. Euro. Im dritten und vierten Quartal zeichnet sich in der Geschäftsentwicklung aber bereits eine Verbesserung ab.

Wachstumspotenzial

Die sollte sich auch in 2010 fortsetzen. Denn ab dem kommenden Jahr will Firmengründer und CEO Jan Aalberts das ehrgeizige Ziel eines zweistelligen Umsatz-und Gewinnwachstums wieder anvisieren. Im kommenden Jahr plant der Industriekonzern neue Akquisitionen, die das Wachstum - wie in der Vergangenheit - beschleunigen sollen. Die Titel werden aufgrund der aktuellen Gewinnschätzungen für 2010 mit einem KGV von 13 bewertet. ,,Wir sehen aber weiteres Kurspotenzial mit einem kurzfristigen Kursziel von 11,50 Euro, weil sich das von Aalberts so erfolgreich praktiziert Cross-Selling-Prinzip (siehe Interview) auch in Zukunft auszahlen wird,‘‘ hält Nico van Geest, Chefanalyst der Amsterdamer Effektenbank Keijser Capital fest.  Derzeit pendeln die Industrie-Aktien um 10 Euro.

Besonderes Wachstumspotenzial hat Aalberts Industries demnach in der wichtigsten Sparte, den Flüssigkeitskontrollsystemen, die in Europa und den USA zügig ausgebaut werden sollen. Die Investitionen in Forschung und Entwicklung sowie in Marketing und Verkauf wurden erhöht, was sich mittelfristig auszahlen sollte. Die Titel haben daher weiteres Kurspotenzial und sollten ins Portefeuille genommen werden.

 

8.12.2009/03.01.2010

/ Textende / Copyright © by HELMUT HETZEL / Den Haag

 

 

Zuletzt aktualisiert am Mittwoch, 10. März 2010 um 11:02 Uhr  

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