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Shell: Große Reorganisation des Ölkonzerns

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Peter Voser

Peter Voser drückt Shell seinen Stempel auf

Personalrochaden bei Shell - Große Reorganisation des Ölkonzerns

Von HELMUT HETZEL

Den Haag. Ihr größter Wunsch ging nicht in Erfüllung. Nun zieht Linda Cook die Konsequenzen.
Die 50jährige Amerikanerin Linda Cook verlässt blitzartig den Vorstand des niederländisch-britischen Ölkonzerns Shell. Sie scheidet schon zum 1. Juni aus, weil sie ihren Traum, als erste Frau einen großen internationalen Ölkonzern leiten zu können, nicht realisieren kann. Denn nicht Linda Cook, sondern der Schweizer Peter Voser und bisherige Shell-Finanzvorstand (CFO) wird am 1. Juli den bisherigen Shell-Chef Jeroen van der Veer beerben und an die Spitze des Shell-Vorstandes aufrücken. Linda Cook verzichtet durch ihr rasches Ausscheiden auf einen Bonus in Höhe von einer Mio. Euro. Der Abschied von Frau Cook hängt aber auch mit einer umfangreichen Reorganisation zusammen, die Shell durchführen wird.

Unter der neuen Führung von Peter Voser wird der Unternehmensbereich Gas & Power, den Linda Cook leitete, mit dem anderen großen Unternehmensbereich, der Sparte Ölförderung (Upstream) und Ölsande zusammen gelegt und gleichzeitig geografisch getrennt. Es wird künftig einen Upstream-Sektor für den gesamten amerikanischen Kontinent gegeben. Alle übrigen Upstream- sowie Gas und Power-Aktivitäten in der restlichen Welt werden unter Upstream International zusammengefasst. Das amerikanische Öl- und Gasgeschäft wird künftig von dem Amerikaner Marvin Odum geleitet. Der Brite Malcom Brinded (55) ist für die internationale Öl- und Gasgewinnung (Upstream International) zuständig. Der Cambridge-Absolvent Brinded leitete seit vier Jahren die wichtigste Shell-Sparte Ölförderung und -Suche (Upstream).
Außerdem wird einer neuer Sektor namens ,,Projects and Technology‘‘ kreiert, der alle neuen Upstream- und die Entwicklung aller neuen Downstream-Aktivitäten (Öl- und Gastransport) beinhalten sein wird. Er wird künftig von dem Schweizer Matthias Bichsel geleitet. Neuer Finanzvorstand und Nachfolger von Peter Voser in dieser Funktion als CFO wird der Brite Simon Henry. Die Ölverarbeitung und den Transport (Downstream) leitet künftig der Amerikaner Mark Williams.
Ziel der umfangreichen personellen und strukturellen Reform des Ölmultis Shell ist es, Kosten zu sparen, die Entscheidungsprozesse zu optimieren, ,, um den Öltanker wendiger zu machen,‘‘ wie es ein Shell-Manager im Gespräch mit HM HetzelMedia formuliert. ,,Es finden wichtige Einschnitte statt, die aber notwendig sind, um die Kosten zu senken, konkurrenzfähig zu bleiben und die Verantwortlichkeiten im Management transparenter zu machen.‘‘

Die aus Kansas City, USA, stammende studierte Ingenieurin Linda Cook war seit 2004 Mitglied des Shell-Vorstandes und arbeitete seit 29 Jahren für Shell. Sie leitete zuletzt als CEO (Chief Executive Officer) die Sparte Gas und Elektrizität und war außerdem für die erneuerbaren Energien wie Biomasse, Wind und Solar zuständig. Aus dem Wind- und Solargeschäft wird sich Shell aber ebenfalls zurückziehen, so dass in der neuen Struktur der gesamte Bereich, den die Amerikanerin Cook leitete, in den Upstream-Sektor aufgehen wird. Unter ihrer Leitung wurde vor allem das Flüssiggasgewinnung von Shell (LNG) um 60 % erhöht und ist Shell auf diesem Gebiet nun Weltmarktführer.

Die dreifache Mutter und begeisterte Skifahrerin begann ihre Karriere bei Shell USA im Jahr 1980 in Houston, Texas. Sie arbeitete sich in den USA nach Management-Jobs in Texas und Kalifornien nach oben, bis sie dann 1998 in die Shell-Konzernzentrale nach Den Haag geholt wurde. Dort war Linda Cook Direktorin zunächst für Strategie und Business Development für den Shell-Upstream-Sektor, also die Öl- und Gasförderung, zuständig. Nach einem einjährigen Intermezzo in Kanada, wo Shell einen Großteil der dort lagernden riesigen Ölsandvorkommen besitzt, kehrte die blonde Amerikanerin 2004 mit ihrer Familie zurück nach Den Haag, wo sie seit Oktober 2004 die Sparte Gas & Power als CEO leitete.
Wäre es ihr tatsächlich gelungen, Jeroen van der Veer zu beerben, dann wäre das eine kleine Revolution in der von Männern dominierten Öl-Welt und ein sensationeller Durchbruch für Linda Cook gewesen, um als erste Frau Europas größtes Unternehmen zu leiten. Aber dieser letzte Schritt ganz an die Shell-Spitze ist ihr nicht gelungen.

Jetzt ist der Schweizer Peter Voser am Zug und  ab 1. Juli 2009 ist  erstmals in der mehr als 100jährigen Geschichte von Shell kein Niederländer mehr im Vorstand.

27.5.2009

/ Textende / Copyright © by HELMUT HETZEL / Den Haag /

Zuletzt aktualisiert am Montag, 01. Juni 2009 um 09:29 Uhr  

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