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Standort Holland macht deutschen Unternehmern Sorge

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file2Der ewige Stau

 


Von HELMUT HETZEL

Den Haag. Obwohl deutsche Unternehmen das Investitionsklima in den Niederlanden insgesamt positiv beurteilen, sind sie mit dem Standort Niederlande und der Infrastruktur im Nachbarland alles andere als zufrieden.

Daher stellen deutsche Unternehmer nun konkrete Forderungen an die Haager Regierung, um die Standortbedingungen zu verbessern, so geht aus einer Studie der Deutsch-Niederländischen Handelskammer in Den Haag hervor, die gestern präsentiert wurde.

Die deutschen Investoren fordern demnach von der niederländischen Regierung eine Verbesserung der bestehenden Infrastruktur, damit der Standort Holland wettbewerbsfähig bleiben und man dort auch in Zukunft investieren könne.

„Vor allem die Beschleunigung von Verwaltungsverfahren, eine bessere Verkehrsinfrastruktur und die Ausbildung von Schülern und Lehrlingen sind den deutschen Investoren wichtig", sagte Kurt Döhmel, Präsident der DNHK, während der Präsentation der Studie.

Die Bundesrepublik Deutschland sei mit knapp 120 Mrd. Euro Direktinvestitionen in den Niederlanden von erheblicher wirtschaftlicher Bedeutung für die Wirtschaftskraft des Oranjestaates. Mehr als 80.000 Niederländer sind laut der DNHK bei deutschen Tochterunternehmen beschäftigt. Der bilaterale Handel zwischen den beiden Nachbarländern hat ein jährliches Volumen von rund 145 Mrd. Euro. Die Niederlande exportieren mehr Waren nach Deutschland als Frankreich. Umgekehrt ist Holland für Deutschland auch einer der wichtigsten Exportmärkte.


Die DNHK formulierte sieben Hauptforderungen an die niederländische Regierung . Diese waren zuvor mit Unterstützung von mehr als 40 Mitgliedsunternehmen der Handelskammer erarbeitet worden.

So fordert die DNHK eine Beschleunigung des Güterumschlags durch die bessere Vernetzung einzelner Zollverwaltungen. „Bis 2010 muss eine elektronische Verbindung aller wichtigen Kontrollinstanzen gewährleistet sein, um den bürokratischen und zeitlichen Aufwand der Unternehmen zu reduzieren", meint Ummo Bruns von DB Mobility Logistics, der an den DNHK-Standpunkten mitgewirkt hat. Um die Effizienz des so genannten  ,, Hinterlandverkehrs‘‘ der Seehäfen zu steigern, sei neben einer Erweiterung der Hafenflächen auch eine engere Zusammenarbeit mit deutschen Verwaltungen erforderlich.
Der Begriff ,,Hinterland‘‘ ist in den Niederlanden und insbesondere in Rotterdam eine beliebte Umschreibung für das östliche Nachbarland Deutschland.

Auch die niederländischen Autobahnen, die während der Hauptverkehrszeiten vielerorts kaum mehr befahrbar und vom Dauerstau gelähmt sind, müssten durch eine rasche Umsetzung geplanter Bauvorhaben, etwa auf der Verbindungsstrecke zwischen Eindhoven und Duisburg, vom Dauerstau endlich befreit werden.

 

Stau auf niederländischen Autobahnen

 

          Dauerstau auf niederländischen Autobahnen

 

Wichtige Schienenprojekte wie das dritte Gleis der Eisenbahn-Linie ,,Betuwe-Liijn‘‘ und der ,,Eiserne Rhein,‘‘ eine Eisenbahnverbindung aus dem belgischen Antwerpen nach Deutschland, die aber teilweise über niederländisches Territorium führt und deren Wiederinbetriebnahme von Den Haag seit langem blockiert wird, sollten gegen alle Widerstände nun rasch vorangetrieben werden, fordert die DNHK.

Um die von der aktuellen Wirtschaftskrise schwer getroffenen Transportunternehmen zu entlasten, sei bei der geplanten Einführung einer Maut in den Niederlanden darauf zu achten, dass die Systeme kompatibel mit denen der Nachbarländer seien. Die elektronisch zu erhebende Autobahngebühr, in Holland ,,Rekening Rijden‘‘ genannt, liegt derzeit allerdings auf Eis. Der Haager Verkehrsminister Camiel Eurlings rechnet nicht damit, dass sie noch vor 2015 eingeführt werden kann.

Ferner geht aus der von der DNHK vorgelegten Studie hervor: 52 Prozent der bereits in den Niederlanden niedergelassenen deutschen Unternehmen bewerten den Standort Holland als gut oder als sehr gut. 58 Prozent würden sich sicher oder mit hoher Wahrscheinlichkeit wieder im westlichen Nachbarland niederlassen, so ergab die Umfrage der Deutsch-Niederländischen Handelskammer (DNHK), an der sich 2.600 Unternehmen beteiligten.
11.5.2009


/ Textende / Copyright © by HELMUT HETZEL / Den Haag

Zuletzt aktualisiert am Dienstag, 12. Mai 2009 um 14:24 Uhr  

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