EU-Streit um den Schinken
Mittwoch, 14. Juli 2010 um 18:38 Uhr
Helmut Hetzel

Klebefleisch-Skandal
Klebeschinken oder zusammengefügte Fleischteile -
das ist die Frage
Interview mit Rio Praaning, Brüsseler Repräsentant von Ajinomoto, einem Enzymhersteller, dessen Produkte das möglich machen
Von HELMUT HETZEL
F: Herr Praaning, Sie vertreten Ajinomoto, ein Unternehmen, das Transglutaminase (TG) herstellt. Das ist ein Lebensmittel-Enzym das in Verbindung mit dem neuesten Klebefleisch-Skandal um Schinken steht. Es sollen Fleischstücke mit Hilfe von Enzymen zu ,,Klebeschinken‘‘ zusammengefügt worden sein. Wie geht das eigentlich?
A: Das Enzym Transglutaminase oder TG ist im menschlichen wie im tierischen Körper sowie in Pflanzen enthalten. Eigentlich kommt TG in vielen normalen Nahrungsmitteln vor. Auch aus historischer Sicht kann man sagen, dass die Menschen immer mit diesem Enzym in Kontakt waren. Das Enzym wirkt als Katalysator. Es ist also kein(!) Kleber. TG verbessert die Struktur von vielen unterschiedlichen Lebensmitteln, die Proteine enthalten können. TG hilft auch dabei, die Proteine von Fleisch- oder Fischstücken zu verbinden. Anders als viele andere Produkte ist es natürlich und daher sicher für den Verbraucher.
F: Die Verbraucher, aber auch die Bauern sind wütend. Sie meinen auf den Verpackungen müsse klar gekennzeichnet sein, was man kauft - echten Schinken oder Klebeschinken. Steht Ajinomoto dazu?
A:Schon 2009 beschäftigte sich Ajinomoto mit der Frage, wie man Verbraucher über den Einsatz von TG informieren könnte. Im Auftrag von Ajinomoto haben wir diese Fragestellung untersucht und den Kontakt zu den Verbrauchern und den Verbraucherverbänden gesucht. Dazu wurde eine Meinungsumfrage mit detaillierten Fragen im Internet veröffentlicht. Wir haben festgestellt, dass die Verbraucher eine passende Kennzeichnung auf den Etiketten der Endprodukte wünschen. Wenn dies eindeutig und ordnungsgemäß auf den Etiketten angegeben ist, sind sie auch bereit, diese Produkte wie Fisch und Fleisch, die mit TG hergestellt wurden, zu kaufen. Denn damit kann man auch vermeiden, dass gutes Fleisch oder Fischteile vergeudet werden. Wir haben verschiedene Formen der Etikettierung getestet. ,,Zusammengefügte Fleischteile‘‘ (Combined meat parts) war die bevorzugte Etikettierung.
F: Und warum wurde dann nicht gleich entsprechend etikettiert und auf die Verwendung von TG im Fleisch hingewiesen?
A: Ajinomoto präsentierte die Ergebnisse der EU-Kommission und den EU-Mitgliedsländern. Das ist schon einzigartig, denn normalerweise bitten Unternehmen nicht, um Kennzeichnung/Etikettierung, wenn ihre Produkte verwendet werden. Die EU übernahm den Vorschlag von Ajinomoto und schlug ihrerseits vor, dass der Etikettenhinweis ,,Zusammengefügte Fleischteile‘‘ auf freiwilliger Basis verwendet werden könne. Das ist wesentlich besser als den Namen eines Produkts auf dem Etikett zu verwenden, weil das für niemanden sofort verständlich wäre. Unglücklicherweise wurde diese von der EU empfohlene Etikettierung in Deutschland nicht verwendet als ein TV-Sender von Falschinformationen der Fleischproduzenten sprach und über die Irreführung der Verbraucher berichtete.
F: Nach dem BSE-Skandal, dem Gammelfleisch-Skandal nun der Klebeschinkenskandal. So langsam kann einem der Appetit an Fleischprodukten vergehen. Ist diese Fleisch-Klebemethode mit Hilfe von Enzymen wie Transglutaminase gesundheitsschädlich?
A: Alle Wissenschaftler stimmen darin überein, dass Transglutaminase absolut sicher, gesundheitlich unbedenklich und effektiv ist. Das Enzym ist schon seit langer Zeit von Behörden in EU-Mitgliedsländern zum Verzehr zugelassen. Ajinomoto plädiert nun dafür, die Etiketten der Endprodukte obligatorisch mit dem Hinweis ,,Zusammengefügte Fleischteile‘‘ zu versehen. Aus drei Gründen: Verbraucher sollten erstens wissen, dass teure Fleischteile auch wegen der CO2-Emissionen nicht einfach weggeworfen werden, zweitens sollten sie darüber informiert werden, dass man durch das Zusammenfügen von kleineren Qualitätsfleischstücken noch stets qualitativ hochwertige Fleischprodukte herstellt, und drittens sollten Verbraucher in der Lage sein, gutes Fleisch billiger zu kaufen.
F: Brauchen wir neue Gesetze und eine Etikettierungspflicht für ,,geklebte‘‘ Fleischprodukte? Schließlich will der Konsument ja wissen, was er kauft?
A: Deutschland kennt bereits eine gesetzliche Etikettierungspflicht für Nahrungsmittel, wenn sie dem Verbraucher nicht in der originalen Form präsentiert werden. Wir sind dafür, dass dieses Gesetz angewendet wird, wenn Fleischteile mit Hilfe des Enzyms TG ,,zusammengefügt‘‘ werden. Das ist auch die Meinung der Mehrheit der deutschen Verbraucher.
Eine EMNID-Umfrage (www.transglutaminase.com) hat ergeben, dass 70 % aller deutschen Konsumenten die Wahl haben wollen, ob sie gewachsenen Schinken kaufen oder Schinken, der aus zusammengefügten kleineren Fleischteilen hergestellt wurde. Eine Etikettierungspflicht für ,,Zusammengefügte Fleischteile‘‘ wird die Wahlmöglichkeit für den Konsumenten also erhöhen.
F: Schmecken Sie den Unterschied zwischen echtem und ,,geklebtem‘‘ Schinken? Was schmeckt besser?
A: Ich glaube nicht, dass das möglich ist. Aber wir sind gerne bereit, eine Blindprobe zu veranstalten, vorausgesetzt die Produkte, die probiert werden, sind entsprechen etikettiert, wie wir das wünschen, so dass man hinterher genau sehen kann, welche Art Schinken man probiert und gegessen hat.
F: Vielen Dank für das Gespräch.
30.5.2010
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Zuletzt aktualisiert am Mittwoch, 14. Juli 2010 um 19:01 Uhr
EU-Krise: Der Euro auf der Kippe
Donnerstag, 13. Mai 2010 um 14:56 Uhr
Helmut Hetzel
 Hat der Euro eine Zukunft?
Wie aus der Stabilitäts- eine Transferunion wurde
Von HELMUT HETZEL
Der französische Staatspräsident Nicolas Sarkozy hat der deutschen Kanzlerin Angela Merkel das Messer auf die Brust gesetzt. Wenn es wahr ist, was spanische Medien berichten, dann soll Sarkozy beim jüngsten EU-Gipfel in Brüssel ,,mit der Faust auf dem Tisch geschlagen‘‘ haben. Er drohte Merkel mit dem Austritt Frankreichs aus der Eurozone, schreibt die spanische Zeitung ,,El Pais.‘‘
Aber wenn in dieser verfahrenen finanziellen Krisen-Situation in der Euro-Zone, die mit der Griechenland-Tragödie begann, jemand aus der Eurozone austreten sollte, dann sind es doch wohl die Deutschen. Alle Verträge wurden gebrochen. Der Maastrichter Vertrag, der Stabilitätspakt, die Unabhängigkeit der Europäischen Zentralbank EZB mit Füßen getreten. Von der Idee, den Euro so stabil zu machen wie das einst die D-Mark oder der Gulden waren, ist nichts mehr übrig.
Es ist nun deutlich: EZB-Chef Jean-Claude Trichet läuft an der Leine von Nicolas Sarkozy. Die Franzosen haben sich auf ganzer Linie durchgesetzt, die Unabhängigkeit der EZB ist futsch. Paris dominiert den Euro. Paris bestimmt die Regeln – mit Brachialgewalt.
Aus der Stabilitätsgemeinschaft, die er Euro einmal war und bleiben sollte, ist jetzt eine Transfergemeinschaft geworden. Sarkozy hat das durchgesetzt. Deutschland zahlt.
Es sind vor allem Deutsche, Niederländer, Österreicher, Finnen, Luxemburger, sie zahlen die Zeche für die Pleitestaaten des Mittelmeerraumes, dem so genannten Club Med! Aber mit dem 750 Mrd. Euro Paket wurde nur Zeit gekauft! Strukturell sind die Probleme nicht gelöst.
Aber klar ist nun: Frankreich triumphiert auf ganzer Linie - Die Franzosen haben den Euro endlich unter ihrer Kontrolle. Sie haben ihr Ziel erreicht. Die Europäische Zentralbank EZB kann fortan politisch instrumentalisiert werden. Das ist es, was Paris immer wollte. Die EZB als politisches und wirtschaftliches Instrument.
Deutsche und Niederländer müssen am meisten blechen, wenn die Bürgschaften für die Kredite eines Tages fällig werden.
Wer ist EZB-Präsident? - Wer ist IMF-Präsident? - Richtig, jeweils ein Franzose. Das französische Trio Jean-Claude Trichet (EZB), Dominique Strauß-Kahn (IMF) und Nicolas Sarkozy haben die Gunst der Stunde genutzt, um aus dem Euro einen französischen Euro zu machen, will heißen einen weichen Euro.
EZB-Chef Trichet hat – auf Druck von Paris - die Geldpresse angeworfen. Er kauft jetzt auch griechische ,,Schrottpapiere,‘‘ also griechische Staatsanleihen, die laut Rating einen ,,Junk-Status‘‘ haben. Folge: Bald kommt die Inflation.
Der Niederländer Wim Duisenberg, der erste EZB-Chef, sagte in einem Interview mit HM HetzelMedia einst:
,,Ich werde im EZB-Rat nie abstimmen lassen, denn das ist kontraproduktiv und reißt nur tiefe Gräben auf.''
Sein Nachfolger Jean-Claude Trichet hat in einer Kampfabstimmung die französische Linie per Mehrheitsvotum im EZB-Rat knallhart durchgesetzt. Er hat damit den Anfang vom Ende des Euro eingeleitet.
Wenn die deutsche Bevölkerung nicht mehr mitmacht und das Vertrauen in die Gemeinschaftswährung verliert, ist der Euro tot. Und die Wut wächst in Deutschland - aber auch in den Niederlanden. Alle Dämme sind gebrochen.
Die Büchse der Pandora ist nun endgültig auf!
Der Anfang vom Ende des EURO?
Von Bert Flossbach
Die EZB bzw. die EU haben heute mit ihrer wohlmeinenden Rettungsaktion den Anfang vom Ende des Euros (in seiner jetzigen Form) eingeleitet. Nachdem der Stabilitätspakt von Maastricht bereits ad acta gelegt wurde, die EZB inzwischen Euro-Staatsanleihen mit Schrottstatus als Pfand akzeptiert, sind nun alle Dämme gebrochen. Die Liquiditätsflut löscht nicht nur das Feuer, sie setzt das ganze Land unter Wasser. Ein Zurück gibt es nun nicht mehr. Entgegen aller Aussagen der Politik und der Notenbanker und wider aller rechtlichen Grundlagen stellen EU und IWF 750 Mrd. € für Länder bereit, denen Investoren kein Geld mehr leihen wollen. Wieder einmal ein Plan, der absolut „alternativlos" ist.
Jetzt ist es wenigstens amtlich. Am Ende soll Deutschland ggf. mit einigen anderen Kernländern für die Schulden aller Länder gerade stehen. Die Anleihen der Wackelkandidaten sind jetzt EU-gesichert. Warum sollte man eigentlich noch niedrig verzinsliche Deutsche Bundesanleihen kaufen, wenn es 8 Prozent für Griechenanleihen gibt, ab heute mit deutscher Patronatserklärung. Eigentlich müsste jeder Bundesbürger eine Bank gründen. Aber die Lizenz für ein solch lukratives Kasino ist leider nicht so einfach zu erhalten.
Das Rettungspaket verhöhnt die Stabilitätskriterien des Euros und die Sanktionsmechanismen für Stabilitätsabweichler. Es belohnt Fehlverhalten statt es zu bestrafen und es dürfte ohnehin nicht reichen.
Bis Ende 2012 werden allein in den fünf „PIIGS" Staaten (Portugal, Italien, Irland, Griechenland, Spanien) Anleihen und Zinsen von 1.166 Mrd. € fällig. Zusätzlich müssen diese Länder nach unseren Schätzungen noch 300 bis 400 Mrd. € neue Defizite finanzieren. Die Summe aller ausstehenden Anleihen dieser fünf Länder beläuft sich auf rund 3.000 Mrd. €.
Welche Implikationen ergeben sich aus dem neuen Rettungspaket?
Die Geldwertstabilität ist bestenfalls noch ein Lippenbekenntnis der EZB. Die EU bzw. EZB haben einen Blankoscheck ausgestellt. Egal was kommt, wir stehen für alles ein! Zunächst einmal hilft man nur den Gläubigern der Wackelkandidaten. Der "Moral Hazard Trade" hat sich für Investoren, allen voran die (griechischen) Banken wieder einmal als lukrativ erwiesen. Damit macht es für die Banken weiterhin Sinn, sich bei der EZB Geld für 1 Prozent zu leihen und in höherverzinsliche Anleihen der Geretteten zu investieren. Kredite an die Wirtschaft bleiben unattraktiv. Der Mittelständler reibt sich die Augen. - Die eingeforderten Sparmaßnahmen der Defizitsünder (also fast aller EU-Staaten) wirkt konjunkturdämpfend und macht ein unmittelbares Anziehen der Inflation unwahrscheinlich. Damit kann die EZB auch weiterhin ihre lockere Geldpolitik begründen und die Zinsen niedrig halten. Das ist auch deshalb wichtig, weil steigende Zinsen den hochverschuldeten Staaten eine untragbare Zinslast aufbürden würden und die Refinanzierungskosten der Retter erhöhen. Sobald die Bürger erkennen, dass sich die EU bzw. die EZB in einem Teufelskreis befinden, aus dem sie sich nur noch mit Inflation und fiskalischen Tricks befreien können, wird eine Flucht in Sachwerte einsetzen. Diese kann zur selbsterfüllenden Prophezeiung werden. Die Inflation steigt, was wiederum höhere Inflationserwartungen schürt. Dann kauft man Gold, Häuser, Autos oder andere langlebige Wirtschaftsgüter. Das treibt nicht nur die Preise von Sachanlagen, sondern auch die Güterpreise.
Kurzfristig scheinen die heute verkündeten Maßnahmen zu wirken. Der Euro steigt, Gold fällt und die Anleiherenditen der Wackelkandidaten sinken. Dies könnte sich schon bald ändern, wenn die Investoren die Konsequenzen dieser erneut „alternativlosen" Hilfe zu erkennen beginnen.
Die USA haben es mit dem Ankauf von US-Staatsanleihen und vor allem dem Kauf von immobilienbesicherten Anleihen der quasi staatlichen Institute Fannie Mae und Freddie Mac vorgemacht.
Die Bilanzsumme der Fed ist innerhalb von wenigen Monaten von 900 Mrd. Dollar auf 2.300 Mrd. explodiert und der Dollar hat von November 2008 bis November 2009 mehr als 20 Prozent an Wert verloren.
10. Mai 2010
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Zuletzt aktualisiert am Sonntag, 23. Mai 2010 um 10:44 Uhr
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Bier-Betrug in Amsterdam
Sonntag, 21. Februar 2010 um 14:40 Uhr
Helmut Hetzel

Der Zapfhahn an der Theke in Amsterdam ist oft getürkt
Von HELMUT HETZEL
Amsterdam. Man stelle sich vor, man bestellt an der Theke in seiner Stammkneipe ein Kölsch und man bekommt stattdessen ein Alt-Bier ausgeschenkt. Das wäre nicht nur eine Beleidigung für den Biertrinker - und für alle Kölsch-Trinker - der Gast würde das schon vor dem Trinken alleine an der Farbe des Bieres erkennen. Beim Pils wird das schon etwas schwieriger. Natürlich werden Biertrinker und - Kenner, den Unterschied zwischen einem Bitburger und einem Warsteiner herausschmecken. Gleiches gilt für ein Gösser Bier in Österreich oder ein Calanda in der Schweiz oder ein Driekirch in Luxemburg.
Ein Weizenbier ist auch sofort geschmacklich und schon vom Glas her in dem es präsentiert wird, erkennbar. Aber ist das Weizen jetzt ein,, Erdinger‘‘ oder wurde es in Weihenstephan gebraut? Das wird es schon schwieriger.
Kann der Biertrinker ein Heineken-Bier von einem Brand- oder Amstel-Bier unterscheiden, wenn er in Amsterdam in einer Kneipe ein kühles Blondes bestellt? Antwort: Die meisten Gäste können es nicht. Das wissen auch die Wirte. Darum werde manchen von ihnen zu Bier-Betrügern. In Amsterdam zumindest. Denn anstatt die klassischen niederländischen Biermarken wie Heineken, Grolsch, Amstel, Brand oder Gulpen auszuschenken, zapfen sie immer häufiger Billigbiere und B-Marken, die sie vor allem in Deutschland und Belgien preisgünstig einkaufen. Es sind Biere, die als ,,zweite Wahl‘‘ gelten, weil sie nicht aus einer bekannten Markenbrauerei kommen und die unter den Phantasie-Namen wie ,,Horeca-Bier‘‘ (Gastronomie-Bier), ,,Moos,‘‘ oder ,,JWC‘‘ in Holland angeboten und verkauft werden.
Diese B-Biere sind in der Regel viel billiger als ein Heineken oder ein Grolsch. Sie werden aber in Amsterdamer Kneipen und Cafés als solche gezapft und zu überhöhten Preisen als die echte A-Marke an die Gäste ausgeschenkt. Kurz: Man bestellt in Amsterdam ein Heineken-Bier und hat dann ein ,,Moos-Bier‘‘ im Glas. ,,Wir decken jährlich diesen Bierbetrug in mindestens 50 Kneipen in Amsterdam auf. Dort steht auf dem Zapfhahn zwar Heineken, aber das Bier, das dann aus dem Fass kommt, ist alles andere - nur kein Heineken-Bier,‘‘ sagt eine Sprecherin der größten holländischen und drittgrößten Brauerei der Welt, der Amsterdamer Heineken-Brauerei.

Beck´s Bier - das Orginal
Allein im vergangenen Jahr seien 31.000 Fässer von ,,B-Markenbieren‘‘ wie ,,Moos‘‘ oder ,,Horeca-Bier‘‘ bei Kontrollen sichergestellt worden. ,,Damit hätte man rund eine halbe Million Gläser Bier zu überhöhten Preisen ausschenken können,‘‘ hat Heineken errechnet. Denn ein Wirt, der Billig-Bier anstatt Markenbier ausschenkt, der verdiene bis zu 50 Euro je Fass zusätzlich. Insgesamt, so schätzt Heineken, betrage der ,,Schwarzmarkt‘‘ für Bier in den Niederlanden etwa 2,3 Millionen Hektoliter jährlich. ,,Viele Menschen denken, sie haben ein Heineken-Bier im Glas, aber sie trinken dann oft etwas ganz anderes.‘‘
Die Amsterdamer Heineken-Brauerei hat angekündigt, dass sie gegen den sich immer weiter ausbreitenden Bierbetrug nun hart vorgehen will. Sie will auch Bier-Kontrolleure in die Kneipen schicken, die inkognito Bierproben mitnehmen, die dann in Labors analysiert werden, um festzustellen, ob aus dem Zapfhahn auf dem Heineken steht, auch Heineken-Bier fließt.
Der Bierbetrug in Amsterdam vor allem mit Heineken-Bier beweist aber auch, dass dieser bekannte Amsterdamer Gerstensaft keinen eigenen unverwechselbaren Geschmack zu haben scheint - sonst würden die meisten Biertrinker wohl sofort merken, dass sie anstatt einem Heineken ein ,,Moos-Bier‘‘ getrunken haben.
14.2.2010
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Zuletzt aktualisiert am Sonntag, 21. Februar 2010 um 15:13 Uhr
Aktientipp: Aalberts Industries - Niederlande
Sonntag, 03. Januar 2010 um 16:39 Uhr
Helmut Hetzel
 ,,Bei schönem
Wetter kann jeder
segeln
im Sturm
beweist sich der
Meister‘‘
HM-Interview mit Jan Aalberts - CEO Aalberts Industries
Von HELMUT HETZEL
Den Haag. Die Aalberts Industries, eine der kleinen aber feinen Perlen unter den niederländischen Unternehmen, litt ebenfalls unter der jüngsten Krise, hat diese aber relativ gut durchstanden, da das Unternehmen nicht in die roten Zahlen rutschte.
In der ersten Jahreshälfte 2009 sanken die Aalberts-Umsätze um 23 % auf 701 Mio. Euro. Das Nettoresultat ging um 73 % auf 18,3 Mio. Euro oder 0,17 Euro je Aktie zurück. Das Betriebsergebnis Ebita sank um 63 % auf 38,7 Mio. Euro. Auftragseinbrüche gab es vor allem bei den Bestellungen aus der Automobil- und der Flugzeug- sowie der Halbleiterindustrie. Im dritten und vierten Quartal zeichnet sich in der Geschäftsentwicklung aber bereits eine deutliche Verbesserung ab.
Aalberts Industries stellt Flüssigkeitskontrollsysteme (Flow Control) her und bietet industrielle Serviceprodukte an. Die Palette der Flüssigkeitskontrollsysteme ist breit. Sie reicht von Bierzapfanlagen bis zu Armaturen und Messgeräten. Der 69jährige Firmengründer und Chief Executive Officer (CEO) Jan Aalberts hegt nun schon wieder Akquisitionspläne. Wie hat er das von ihm vor 35 Jahren gegründete Unternehmen durch die stürmischen Zeiten der jüngsten Rezession gelotst? Antwort: ,,Wir haben rasch reagiert. Weltweit wurden rund 1900 von insgesamt 11.900 Stellen abgebaut, die Kosten gesenkt. Die Forschungsabteilung blieb aber unangetastet. Für den Verkauf und das Marketing haben wir sogar 50 neue Leute eingestellt. Merke: Bei schönem Wetter kann jeder segeln. Im Sturm beweist sich der Meister. Daher wurden auch einige Managementfunktionen neu besetzt. Wir hatten aber keine Liquiditätsprobleme.‘‘ Folge: Es gab keinen akuten Refinanzierungsbedarf.

Jan Aalberts - der Firmengründer
Krise durchstanden
,, Wir hatten einen finanziellen Spielraum von rund 200 Mio. Euro. Allerdings ist unsere Verschuldungsratio im Zuge der Krise schlechter geworden. Die Ebitda - Nettoschuld-Kennzahl stieg von 3,0 auf 3,9 im Juni 2009 an, weil wir 2008 noch 300 Mio. Euro bei den Banken für Übernahmen geliehen hatten. Die Banken machten Druck. Sie verlangten von uns sogar, eine Bezugsrechtsemission durchzuführen. Aber das taten wir nicht. Wir haben uns darauf verständigt, dass wir für die letzte Hälfte 2009 und die erste Hälfte 2010 für unsere Kredite einen etwas höheren Zinssatz bezahlen. Wir streben nun eine Ebitda-Nettoschuld-Ratio von 3,0 % an.‘‘
Nach Ansicht von Jan Aalberts hellt sich die weltwirtschaftliche Lage wieder auf. ,,Die Vorräte in den Lagern unserer Kunden sind aufgebraucht. Es kommen wieder mehr Bestellungen. Das zeichnete sich bereits im zweiten Quartal 2009 ab in Sektoren wie der Halbleiterindustrie, der Medizin und in Regionen wie Osteuropa. Es ist aber noch eine fragile Erholung. Eine gewisse Unsicherheit besteht fort. Die sich verbessernde Entwicklung im zweiten Quartal hat sich im dritten Quartal fortgesetzt, das vierte Quartal läuft noch, aber es ist nicht schlechter begonnen als das dritte. Es wird aber wohl noch einige Zeit dauern, bis wir wieder das Umsatz- und Gewinn-Niveau von 2007/2008 erreicht haben,‘‘ stellt Aalberts fest. ,,In 2010 wollen wir wieder akquirieren.‘‘
Die Flüssigkeitskontrollsysteme haben in der Akquisitionsstrategie klare Priorität. ,,Wir haben eine Short-List mit zwei, drei Unternehmen, die uns interessieren. Wir kaufen aber nur, wenn der Gewinn je Aktie durch die Akquisition nicht verwässert wird. Eine Emission ist zwar im Prinzip möglich. Aber das zu übernehmende Unternehmen muss direkt einen Beitrag zur Steigerung des Gewinns je Aktie liefern.‘‘
Die geografischen Schwerpunkte der geplanten Expansion liegen in den USA und in Westeuropa. Der asiatische Markt ist allerdings auch im Visier. ,,Wir produzieren und verkaufen in China. Wir verkaufen in China beispielsweise Produkte, die in Dänemark hergestellt worden sind. Wir haben in China etwa 1000 Mitarbeiter. In Indien sind wir noch nicht vertreten, auch Südamerika und Afrika ist noch ein weitgehend weißer Fleck auf der Landkarte für unsere Produkte. Aber unser Ziel ist derzeit, dass wir hauptsächlich in den USA wachsen wollen, um dort unseren Umsatz auf eine Mrd. Dollar zu verdreifachen. Doch die USA haben die Rezession noch nicht ganz überwunden.‘‘
Aalberts Industries setzt weiterhin auf das interne Cross Selling System mit dem das Unternehmen interne Synergien kreiert. So funktioniert es:
,, Wir kaufen keine Konkurrenten. Wir suchen Märkte und Länder, auf und in denen wir noch nicht präsent sind. Wir wollen unser Produktmix so erweitern. Wir produzieren auch in den Ländern, in denen wir unsere Produkte verkaufen. Wir sind häufig auch Zulieferer für unsere eigenen Produkte, beispielsweise bei der Veredlung von Antriebsachsen für Autos, der Oberflächenveredlung von Flugzeugen, der Herstellung von Solarstationen. Deutschland ist dafür aber auch bei den Antriebsachsen für Autos unser größter Markt. Überhaupt ist Deutschland einer unser wichtigsten Absatzmärkte überhaupt und ein wichtiger Produktionsstandort. Wir liefern auch die Beschichtungen von Saugriemen für die VW-Motoren mit 1,4 Liter Hubraum. Das Cross Selling-Prinzip macht es möglich, dass wir die Investitionen für Akquisitionen relativ schnell zurückverdienen können,‘‘ stellt Jan Aalberts fest.
In der Schweiz ist Aalberts über die beiden Tochterunternehmen Duralloy und Riag aktiv, die auch in Deutschland am Markt sind. Diese beiden Unternehmen sind führend in der Dünnchrombeschichtungs-Technologie, die in der Luftfahrt und der Medizintechnik Anwendung findet.
Jan Aalberts hat Expansionspläne für die Schweiz. ,,Wir planten vor einiger Zeit eine Übernahme dort. Aber leider kam sie nicht zustande. Wir exportieren aber viel in die Schweiz. Die Schweiz ist für uns ein wichtiger Markt.‘‘
Die Aalberts-Strategie ist klar. Der Firmenchef definiert sie so: ,,Wir wollen auf allen Märkten, auf denen wir tätig sind, ein tonangebender Spieler sein. Wir wachsen autonom und über Akquisitionen. Wir streben eine Ebit-Marge von 10 bis 12 % jährlich an und ein Umsatz- und Gewinnwachstum von 15 % jährlich an. 2009 wird das jedoch nicht gelingen.‘‘
Wenn möglich will Aalberts selbständig bleiben. Doch wenn ein interessantes Kaufangebot käme, werde das zu prüfen sein. ,,Wir sind an der Börse kotiert. Ich halte noch 14 % an meinem Unternehmen. Wenn ein gutes Angebot kommt, das strategisch sinnvoll ist und wenn ein guter Kaufpreis geboten wird, dann müssen wir mit einem potenziellen Käufer reden. Das werden wird dann auch tun, wenn ein solches Angebot auf dem Tisch liegt.‘‘
Analyst Nico van Geest: Aktien sind klarer Kauf
Aalberts Industries ist aufgrund seiner Spezialisierung besonders abhängig von den Grundstoffpreisen. In erster Linie von Kupfer und Messing. Aber auch von den Preisen für Edelstahl, Aluminium und für Kunststoffe. Im März kostete eine Tonne Kupfer noch 3000 Dollar, jetzt kostet sie wieder 6000 Dollar. Aber: ,,Wir spekulieren nicht mit Grundstoffen. Wir versuchen, die Steigerung der Grundstoffpreise an unsere Kunden durch zu berechnen. Bisher ist das fast immer gelungen,‘‘ meint Jan Aalbers.
Ziel von Aalberts ist es weiterhin, ein Umsatzwachstum von 15 % pro Jahr zu realisieren. Auf Basis der aktuellen Gewinnschätzungen sind die Industrieaktien mit einem KGV von 13 für 2010 bewertet. Nico van Geest, Chefanalyst der Amsterdamer Effektenbank Keijser Capital, sieht die Titel als klaren Kauf mit einem Kursziel von 11,75 Euro. Aalberts wird von einer wirtschaftlichen Erholung überdurchschnittlich profitieren und kann aus dem internen Cross Selling-System weitere Synergien schaffen. Die Titel sollten daher ins Portefeuille genommen werden.
Aalberts Industries - Die Aktienanalyse
Htz. In den vergangenen 20 Jahren schaffte es das Industrie-Konglomerat Aalberts Industries regelmäßig, jährlich um 15 % zu wachsen und zweistellige Gewinnzuwächse zu erwirtschaften. Das wird wegen der weltweiten Wirtschaftskrise in 2009 nicht gelingen. In der ersten Jahreshälfte 2009 sanken die Aalberts-Umsätze um 23 % auf 701 Mio. Euro. Das Nettoresultat ging um 73 % auf 18,3 Mio. Euro oder 0,17 Euro je Aktie zurück. Das Betriebsergebnis Ebita sank um 63 % auf 38,7 Mio. Euro. Im dritten und vierten Quartal zeichnet sich in der Geschäftsentwicklung aber bereits eine Verbesserung ab.
Wachstumspotenzial
Die sollte sich auch in 2010 fortsetzen. Denn ab dem kommenden Jahr will Firmengründer und CEO Jan Aalberts das ehrgeizige Ziel eines zweistelligen Umsatz-und Gewinnwachstums wieder anvisieren. Im kommenden Jahr plant der Industriekonzern neue Akquisitionen, die das Wachstum - wie in der Vergangenheit - beschleunigen sollen. Die Titel werden aufgrund der aktuellen Gewinnschätzungen für 2010 mit einem KGV von 13 bewertet. ,,Wir sehen aber weiteres Kurspotenzial mit einem kurzfristigen Kursziel von 11,50 Euro, weil sich das von Aalberts so erfolgreich praktiziert Cross-Selling-Prinzip (siehe Interview) auch in Zukunft auszahlen wird,‘‘ hält Nico van Geest, Chefanalyst der Amsterdamer Effektenbank Keijser Capital fest. Derzeit pendeln die Industrie-Aktien um 10 Euro.
Besonderes Wachstumspotenzial hat Aalberts Industries demnach in der wichtigsten Sparte, den Flüssigkeitskontrollsystemen, die in Europa und den USA zügig ausgebaut werden sollen. Die Investitionen in Forschung und Entwicklung sowie in Marketing und Verkauf wurden erhöht, was sich mittelfristig auszahlen sollte. Die Titel haben daher weiteres Kurspotenzial und sollten ins Portefeuille genommen werden.
8.12.2009/03.01.2010
/ Textende / Copyright © by HELMUT HETZEL / Den Haag
Zuletzt aktualisiert am Mittwoch, 10. März 2010 um 11:02 Uhr
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