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Joint auf Kreditkarte und mit Pass in den Niederlanden

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         Pass für Cannabis-Connaisseure bald nötig

Niederländische Provinz  Limburg will Drogentourismus bekämpfen


Von HELMUT HETZEL

Maastricht. Den Joint gibt es in der südniederländischen Provinz Limburg künftig nur noch auf Kreditkarte und gegen Vorlage eines besonderen Einkaufspasses. Die Kreditkarte und den Pass braucht man ab dem kommenden Jahr, wenn man sich in den berühmt berüchtigten so genannten ,,Coffeeshops‘‘ in Maastricht, Venlo, Sittard oder Roermond den Stoff für einen Joint kaufen will. Der Hasch-Liebhaber muss dann mit Kreditkarte bezahlen und sich außerdem vorab noch einen ,,Mitgliedsausweis‘‘ für den ,,Coffeeshop‘‘ besorgen, sonst nützt ihm auch die Kreditkarte nichts. Ohne einen solchen staatlichen Pass für ,,Cannabis-Connaisseure‘‘ soll es künftig keine Brise Hasch in limburgischen Coffeeshops oft auch ,,Coffieshop‘‘ geschrieben, mehr geben. Das haben die Bürgermeister der Region beschlossen. Gert Leers, Bürgermeister von Maastricht, jubelt: ,,Das ist der richtige Schritt, um dem Drogentourismus endlich ein Ende zu bereiten.‘‘ Denn mehr als die Hälfte aller Coffeeshop-Besucher, die in Maastricht den Stoff für ihren Joint einkaufen, kommen aus den Nachbarländern Deutschland, Belgien und Frankreich. Es sind jährlich rund 2,1 Millionen Menschen, die zum Cannabis-Einkauf eigens nach Maastricht oder eine andere limburgische Grenzstadt reisen. Rund 70 % aller Cannabis-Kunden dort zwischen Venlo im Norden und Maastricht im Süden sind Ausländer. Denen soll das Drogenshopping nun vergällt werden.

Denn ,,Cannabis-Connaisseuers-Pass,‘‘ den man künftig braucht, um in den Coffeeshops überhaupt bedient zu werden, der muss erst einmal bei der Gemeinde angefragt und beantragt werden. ,,Eine solche Anfrage dauert gut und gerne einige Tage,‘‘ stellt Gerd Leers grinsend fest. ,,So lange bleibt kein Franzose oder Deutscher hier, nun um sich den Pass zu holen mit dem er dann im Coffeeshop einkaufen kann.‘‘ Vor allem für viele französische Drogentouristen, die einen längeren Anfahrtsweg nach Maastricht haben als die deutschen oder die belgischen, dürfte das neue Pass- und Kreditkartensystem für die Coffeeshops abschreckend wirken. Aber genau das will man erreichen. Denn die Stadt Maastricht plant noch eine weitere Maßnahme, um den Drogentourismus einzudämmen oder am liebsten ganz und gar auszutrocknen.

 

Coffeeshop


Die Höchstabgabemenge von Cannabis in den Coffeeshops soll noch weiter reduziert werden. Bisher kann jeder Erwachsene in den Niederlanden täglich maximal fünf Gramm ,,Nederwiet‘‘ aus der holländischen Treibhausproduktion im Coffeeshop zum eigenen Konsum einkaufen. Künftig soll die Höchstabgabemenge pro Person und pro Tag auf drei Gramm gesenkt werden. Auch das soll jemanden, der aus Lille oder Aachen anreist, um sich in Holland mit Stoff für einen Joint einzudecken, abschrecken, hofft Bürgermeister Gert Leers.


Aber vielleicht hat er die Rechnung ohne den Wirt gemacht. Denn die Coffeeshops in der niederländischen Grenzregion sind wahre Goldgruben. Sie machen Millionenumsätze und satte Gewinne. Die Coffeeshop-Besitzer werden diese Umsätze, die hauptsächlich durch Drogen-Touristen generiert werden, wohl nicht missen wollen. Sie werden Mittel und Wege finden, um das geplante Pass- und Kreditkartensystem zu unterminieren. So könnte künftig in Limburg nicht nur mit Cannabis sondern auch mit dem Coffeeshop-Pass gedealt werden. Viele Niederländer dürften gerne bereit sein, ihren eigenen Coffeeshop-Pass entweder an Drogen-Touristen auszuleihen - gegen Bezahlung natürlich - oder sich selbst als ,,legitimierte‘‘ Einkäufer zu betätigen, um im Coffeeshop das Cannabis zu besorgen und es dann an die Touristen aus Frankreich, Deutschland oder Belgien wieder weiterzuverkaufen. Der ,,Nederwiet‘‘ wird dann einfach nur etwas teurer. Aber der Handel wird wohl weiter florieren.
13.5.2009

/ Textende / Copyright © by HELMUT HETZEL / Den Haag /

Zuletzt aktualisiert am Freitag, 15. Mai 2009 um 22:10 Uhr  

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