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Die Tulpe - künstliche Insel vor Holland´s Küste

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tulpe-als-insel2Die Tulpe: Künstliche Insel vor Hollands Küste

Antwort auf Klimaveränderung und Anstieg des Meeresspiegels

Von HELMUT HETZEL

Den Haag. ,,Was wir in Dubai bauen, das können wir
auch hier bei uns bauen,‘‘ meint Joop Atsma. Der christdemokratische niederländische Abgeordnete spricht über sein Lieblingsthema. Es ist der Bau einer künstlichen Insel vor der Küste der Niederlande. Den Namen dafür hat er schon: Die Tulpe. Denn die Tulpe ist das holländische Nationalsymbol schlechthin. Und Wasser in Land verwandeln, das ist eine niederländische Spezialität.
Zwischen 60.000 und 100.000 Hektar groß soll die künstliche Insel ,,Die Tulpe‘‘ werden, die sich von Den Haag im Süden bis nach Bergen aan Zee im Norden mitten in der Nordsee erstrecken soll. Die Tulpe soll ein Eiland werden, das eine doppelte Funktion hat. Die künstliche Insel soll zum einen dem Küstenschutz dienen, weil in Folge der Klimaveränderung der Meeresspiegel in den kommenden Jahrzehnten voraussichtlich steigen wird, und sie soll eine neue touristische Attraktion und eine exklusive Oase für teure Wohnungen, Villas und Vergnügungsparks mitten in der Nordsee sein. Little Dubai mit einem Hauch von Las Vegas vor der Küste der Niederlande. Nur das Klima ist leider anders als in Dubai oder in Las Vegas.

 

die tulpe - als insel

    So könnte die Nordseeküste der Niederlande bald aussehen

 

Im Persischen Golf vor der Küste Dubais ist ,,Die Palme‘‘ als künstliche Insel schon fertig, und es wird eifrig an dem zweiten großen Projekt gebaut, das den klingenden Namen ,,Die Welt‘‘ trägt und aus einem Panoptikum von künstlichen Inseln besteht, die unsere Erde abbilden. Stars wie Elton John, Toni Schumacher, Heidi Klumm und andere Celebreties aus dem neureichen Geldadel haben sich in Dubai auf den künstlichen Inseln bereits ihre Villen gekauft.

The Palm - Dubai

Von Niederländern gebaut ,,The Palm'' künstliche Insel vor der Küste des Golfstaates Dubai


Gebaut werden die künstlichen Inseln vor Dubai allesamt von niederländischen Unternehmen, ,,den Baggerern‘‘ wie sie in Holland heißen. Diese Firmen haben das einzigartige Know How, um aus Wasser Land zu machen und die künstlichen Inseln mitten in der See anzulegen, einzudeichen und bewohnbar zu machen. Sie perfektionieren heute auf moderne Weise das uralte von Niederländern erfundene Poldersystem. Es besteht darin, Wasser in Land umzuwandeln, indem man einen Ringdeich um ein Gewässer legt, das Wasser dann abpumpt und das so trockengelegte Stück Meer mit Sand und Kies auffüllt und es durch Deiche nach außen befestigt, damit es nicht wieder überflutet werden kann. So wird aus Wasser Land. In dem so nach dem niederländischen Poldersystem neu gewonnenen Land gibt es auch ein ausgeklügeltes System von Kanälen, in Holland Grachten genannt. Über diese Kanäle kann einströmendes Wasser, wieder zurück ins Meer abgeführt werden kann. So bleiben die künstlichen, dem Meer abgerungenen Inseln trocken. Genauso wie die größten Teile der Niederlande, die weit unter dem Meeresspiegel liegen. Über die vielen Grachten und Kanäle wird das überschüssige Wasser in den Niederlanden wieder in die Nordsee geleitet. Früher sorgten die Windmühlen für diese Entwässerung, heute sind es moderne Pumpstationen, die rund um die Uhr laufen und ständig Wasser zurück in die Nordsee pumpen, damit die Niederländer keine nassen Füße bekommen.

Das beste Beispiel dafür, wie gut das niederländische Poldersystem funktioniert, ist der Amsterdamer Flughaben Schiphol Airport. Er liegt sieben Meter unter dem Meeresspiegel, genau dort, wo sich vor vielen Jahren noch ein riesiger Meeresarm befand. Schiphol Airport wurde wie die meisten Teile der Niederlande nach dem Polderprinzip trocken gelegt. Etwa 45 Millionen Passagiere fliegen jedes Jahr via Schiphol Airport in alle Welt. Nur wenige wissen, das der viertgrößte Flughafen Europas unter dem Meeresspiegel liegt und nur aufgrund des holländischen Poldersystems trocken gehalten werden kann.

Eine Mehrheit im Haager Parlament hat die Idee von Joop Atsma, um ,,Die Tulpe‘‘ als künstliche Insel vor der Küste zu bauen, inzwischen gutgeheißen. Wie immer aber bei so großen Projekten, geht es jetzt um die Finanzierung. Während in Dubai darüber nicht nachgedacht werden muss, weil die Dollarmilliarden aufgrund des hohen Ölpreises reichlich ins Emirat am Persischen Golf fließen, ist man in den Niederlanden derzeit noch immer eifrig auf der Suche nach Investoren, um ,,Die Tulpe‘‘ bauen lassen zu können.
Sollte sie entstehen, dann hätte Holland in Europa mit diesem Landgewinnungs- und Umweltschutzprojekt mal wieder die Nase vorn.
20.01.2008


/ Textende / Copyright © by HELMUT HETZEL / Den Haag /

Zuletzt aktualisiert am Samstag, 14. März 2009 um 13:38 Uhr  

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