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Tinkebell und der Hass im Internet - Katze als Handtasche

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Katzenblick

Der Hass der Holländer im Internet

Künstlerin legt ihn bloß -

den spezifischen Hass der Tierschützer


Von HELMUT HETZEL

Den Haag. ,,Einsperren und exekutieren sollte man dich!‘‘ - ,,Du bist einfach krank im Kopf. Ich hoffe, dass jemand mit dir das gleiche macht, was du mit deiner Katze getan hast.‘‘ Oder: ,,Stirb du Hure.‘‘ Diese und andere Hass-Mails erhielt die niederländische Künstlerin Tinkebell, nachdem sie es gewagt hatte, ihren todkranken Kater namens ,,Pinkeltje‘‘ aus seinem Leiden zu erlösen und sich als Andenken an ihr ehemaliges Haustier aus dem Fell des Katers eine Handtasche anfertigen ließ. Nachdem Tinkebell, die mit bürgerlichem Namen Katinka Simonse heißt, es nun wagt, mit der Handtasche, die einst ihr Kater war, herumzulaufen, wird sie bedroht. Tausende von Hass-Mails hat sie erhalten. So viele und so schreckliche, dass die Künstlerin sich dachte, die schlimmsten davon, die werde ich publizieren. Das tat sie nun. In einem Buch. Titel: ,,Dearest Tinkebell.‘‘ Darin hat Katinka Simonse die Hass-Mails mit denen sie bedroht wurde, zusammengestellt. Mehr noch, sie publizierte auch alle E-Mail-Adressen der Hass-Mailer und sofern sie die via Google und andere Suchmaschinen herausfinden konnte, auch deren Namen und Adressen. Jetzt stehen die Hass-Mailer am Pranger. ,,Jetzt wird deutlich. Hass-Mailer, das kann jeder sein. Deine Nachbarin, deine Schwiegermutter, dein Gemüsehändler,‘‘ stellt Tinkebell in ihrem Buch fest. Hass-Mails seien ein neuer Volkssport geworden. Nicht nur in den Niederlanden, auch anderswo. Aber in Holland sind Hass-Mails inzwischen so ,,normal‘‘ wie die Nordsee hinter den Dünen des Kurbades Scheveningen.

Das Hass-Mailbuch der Künstlerin, die sich Tinkebell nennt, ist inzwischen ein Renner in den Buchhandlungen. Es verkauft sich schon fast so gut wie die ,,Feuchtgebiete‘‘ von Charlotte Roche. Es ist aber auch Teil eines Gesamtprojekts, das die 30jährige Künstlerin Tinkebell sich ausgedacht hat. Sie protestiert seit einigen Jahren nämlich gegen die industrielle Tierhaltung, gegen Massentierzüchtung und Legebatterien für Hühner. So ließ sie 100 Hamster in einer Amsterdamer Galerie in der Tretmühle rennen und drohte sie, 60 männliche Küken von einem Schredder zermahlen zu lassen, weil die für die Legebatterien ungeeignet sind.


Doch die Herstellung einer Handtasche aus dem Fell ihres einstigen Katers ,,Pinkeltje‘‘ sorgte bisher für das größte Aufsehen und die heftigste Empörung im Land der Tulpen. Denn damit gelang es ihr, die Tierschützer zu provozieren, zu denen sie eigentlich selbst auch gehört und gleichzeitig deren Hass-Potenzial zu entlarven.

Tierschutz ist in den Niederlanden ein allgemeines Anliegen. In keinem Land der Welt aber gibt es eine ,,Partei für die Tiere,‘‘ die es sogar geschafft hat, ins Parlament einzuziehen. Nur in den Niederlanden stellt die Tierschutzpartei zwei der insgesamt 150 Abgeordneten im Haager Parlament.


Die Tierschutz-Szene in den Niederlanden ist aber auch besonders militant. Der Mörder des Rechts-Populisten Pim Fortuyn beispielsweise war ein militanter Tierschützer, der Fortuyn am 6. Mai 2002 erschoss, weil ihm dessen politische Auffassungen missfielen und sich Fortuyn mehrmals herablassend über den Tierschutz geäußert hatte.

Nun hat die Künstlerin Tinkebell mit ihrer Aktion und ihrem Buch das in den Niederlanden vorhandene Gewaltpotenzial in der Tierschutzszene eindrucksvoll offengelegt und dokumentiert. Mit ,,Dearest Tinkebell‘‘ belegt sie auch:

Manchen Tierschützern scheint ein Tierleben mehr wert zu sein als ein Menschenleben.

Kontakt:

www.Tinkebell.com


26.5.2009


/ Textende / Copyright © by HELMUT HETZEL / Den Haag /

Zuletzt aktualisiert am Samstag, 30. Mai 2009 um 08:51 Uhr  

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