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Pim Fortuyn - 10 Jahre nach dem Mord

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Pim Fortuyn - at your service

Pim Fortuyn  - at your service

10 Jahre nach der Ermordung von Pim Fortuyn

Holland  ist ein anderes Land

Von HELMUT HETZEL

Den Haag. ,,Für viele Niederländer hat der Mord an Pim Fortuyn eine ähnliche Bedeutung wie die Ermordung von John F. Kennedy. Jeder weiß noch, was er zu dem Zeitpunkt gemacht hat, als er erfuhr, dass Pim Fortuyn erschossen wurde.‘‘ Das sagt Frans Bauduin in einem Interview mit dem NRC-Handelsblad. Frans Bauduin ist Richter. Der Richter, der den Mörder von Pim Fortuyn, Volkert van der Graaf, zu einer 16jährigen Haftstrafe verurteilte. Der Richter spricht erstmals seit 10 Jahren öffentlich über den Mord an Pim Fortuyn und über sein Urteil, das viele in den Niederlanden nach wie vor für zu milde halten. Denn für den vorsätzlichen Mord an Pim Fortuyn hätte der Mörder Volkert van der Graaf nach Meinung vieler Niederländer eine lebenslange Haftstrafe verdient. Denn Volkert van der Graaf wartete mit geladener Pistole stundenlang in einem Gebüsch im Medienpark von Hilversum auf Pim Fortuyn. Dann als Fortuyn nach einem Interview das Studio verließ, knallte ihn van der Graaf aus nächster Nähe eiskalt ab. 

Niederländer wählen einen Toten

 Am 15. Mai waren Wahlen in den Niederlanden. 1,6 Millionen Niederländer gaben dem toten Pim Fortuyn und der von ihm gegründeten und nach ihm benannten Partei LPF (Liste Pim Fortuyn) ihre Stimme. ,,Wäre Pim nicht ermordet worden, wäre er nach den Wahlen vom 15. Mai 2002 wahrscheinlich Ministerpräsident der Niederlande geworden,‘‘ stellt Mat Herben, enger Weggefährte von Fortuyn und dessen Nachfolger an der Spitze der LPF, im Rückblick fest. ,,Pim Fortuyn hat in den Niederlanden eine Revolte ausgelöst.‘‘

Pim Fortuyn

Die Revolte des Pim Fortuyn

Diese Revolte des Populisten Pim Fortuyn wirkt bis heute nach. Ohne den Mord an Fortuyn gebe es heute in den Niederlanden wahrscheinlich keine rechtspopulistische Partei, wie sie der Islamkritiker Geert Wilders gegründet hat. Ohne Fortuyn hätte es wohl auch nicht den islamkritischen Film ,,Submission‘‘ (Unterwerfung) gegeben, den die Islamkritiker Ayaan Hirsi Ali und Theo van Gogh gemeinsam drehten. Er kostete Theo van Gogh das Leben. Van Gogh wurde am 2. November 2004 von dem Islamisten Mohammed Bouyeri ermordet.

Ende der politischen Korrektheit

Denn Pim Fortuyn war es, der erstmals mit einer Reihe von Tabus brach und die ,,Diktatur der politischen Korrektheit,‘‘ die in den 90iger Jahren auch Holland im Griff hatte, negierte. Fortuyn war der erste Politiker in den Niederlanden, der den Islam als ,,eine zurückgebliebene Kultur‘‘ kritisierte. Fortuyn war es, der das multikulturelle Experiment in Holland als ein gescheitertes entlarvte. Fortuyn war es, der die ,,Hinterzimmer-Politik der Haager Regenten‘‘ an den Pranger stellte und mehr Transparenz in der Politik forderte. Fortuyn war es, der einen ganz neuen Typ des Politikers verkörperte, den es bis er in die Politik ging so in den Niederlanden überhaupt nicht gegeben hatte. Er zelebrierte sich als bekennender Schwuler, trat auf als modebewusster und intellektueller Dandy. Er ließ sich per Chauffeur in einer Nobel-Limousine mit zwei Schoßhunden durch das Land zu Wahlveranstaltungen fahren und sagte immer wieder vor laufenden Kameras: ,,Täuscht euch nicht, ich werde der nächste Ministerpräsident dieses Landes.‘‘ Er war ganz nah dran, bis die sechs Kugeln des Volkert van der Graaf seinen großen Traum jäh ein brutales Ende bereiteten.

Trauer und Wut

,,Wim Kok Mörder,‘‘ skandierten Tausende von Demonstranten am Abend des 6. Mai 2002 in Den Haag vor dem Parlament. Kok war damals Ministerpräsident der Niederlande. Viele Fortuyn-Anhänger machten ihn stellvertretend für die damalige politische Elite des Landes mit für den Mord an Pim Fortuyn verantwortlich. Denn die Haager Regierung hatte Pim Fortuyn einen Personenschutz durch Sicherheitsbeamte verweigert - und das obwohl Fortuyn damals im Wahlkampf 2002 täglich Morddrohungen erhielt.

Zahlreiche Medien - im In- und im Ausland - haben Pim Fortuyn ,,dämonisiert‘‘ wie er selbst sagte. Sie haben ihn als den ,,Jörg Haider‘‘ oder den ,,Le Pen der Niederlande‘‘ bezeichnet, was Pim Fortuyn überhaupt nicht war. Er war ein Demokrat mit Herz und Seele. Ein politischer Denker und Visionär mit Charisma. Sein großes Vorbild war: John F. Kennedy.
Nur, er sprach die Themen an, die den Leuten auf den Nägeln brannten, die sich aber kein anderer Politiker damals anzusprechen traute. Fortuyn gab dem ,,niederländischen Unbehagen‘‘ eine Stimme.
Die Stimme ist bis heute nicht verstummt, obwohl Fortuyn tot ist. Heute zum 10. Todestag von Pim Fortuyn wird er sogar von seinen schärfsten Gegnern von einst umarmt - und vereinnahmt und als Demokrat gelobt. Thom de Graaf, der 2002 Chef der linksliberalen Demokraten ´66 war und der in einem Interview im Wahlkampf des Frühjahrs 2002 Pim Fortuyn in die faschistische Ecke stellte, gibt nun selbstkritisch zu: ,,Das war ein Fehler. Das hätte ich nicht sagen dürfen.‘‘ Nur, er hat es gesagt. Aber hinterher ist man ja bekanntlich immer klüger. Und Pim Fortuyn ist tot.
Aber durch Pim Fortuyn ist Holland ein anderes Land geworden. Er war es auch, der die vielgerühmte sprichwörtliche holländische Toleranz als das entlarvte, was sie eigentlich ist - Gleichgültigkeit.

Links:

http://www.geschiedenis24.nl/andere-tijden/afleveringen/2011-2012/Fortuyn--the-Dutch-Dandy.html

http://www.geschiedenis24.nl/andere-tijden/afleveringen/2011-2012/Fortuyn--the-Dutch-Dandy.html

 

 

/ Textende / Copyright © by HELMUT HETZEL / Den Haag

 

 

Zuletzt aktualisiert am Montag, 07. Mai 2012 um 08:54 Uhr  

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