Hetzel Media - News Benelux

  • Schrift vergrößern
  • Standard Schriftgröße
  • Schriftgröße verkleinern

Charles Taylor, Naomi Campbell, Mia Farrow

E-Mail Drucken PDF


Naomi Campbell

Blutdiamantenprozess:

Charles Taylor schuldig gesprochen

Von HELMUT HETZEL

Das Urteil im Haager ,,Blutdiamanten-Prozess‘‘ ist gefallen. Der frühere Staatspräsident von Liberia, Charles Taylor, ist vom Haager UN-Sondertribunal für Sierra Leone wegen Kriegsverbrechen in Sierra Leone für schuldig befunden worden. Die Höhe der Haftstrafe, die Taylor absitzen muss, ist noch nicht bekannt. Es ist das erste Mal seit den Nürnberger Prozessen nach Ende des Zeiten Weltkrieges gegen die einstige Nazi-Führung, dass ein ehemaliger Staatspräsident von einem UN-Sondergericht verurteilt wurde.

Der 64jährige Charles Taylor war vor dem Sierra Leone-Tribunal in Den Haag wegen Kriegsverbrechen und Verbrechen gegen die Menschlichkeit angeklagt. Taylor soll den RUF-Rebellen ,,Revolutionary United Front‘‘ (RUF) im Nachbarland Sierra Leone Waffen geliefert und sie in ihrem Bürgerkrieg gegen die eigene Bevölkerung aktiv unterstützt haben. Die von Taylor unterstützten RUF-Rebellen hackten tausenden von Menschen Arme und Beine ab und vergewaltigten Frauen wahllos.

Im mehr als 10 Jahre dauernden Bürgerkrieg in Sierra Leone starben in den 90iger Jahren mindestens 120.000 Menschen. Viele wurden grausam verstümmelt, indem die RUF-Rebellen ihren Opfern mit Macheten Gliedmaßen abhackten. Unzählige Frauen und Mädchen wurden vergewaltigt und als Sex-Sklavinnen gehalten, geht aus der 30.000 Seiten und elf Anklagepunkte umfassenden Anklageschrift gegen Charles Taylor hervor. Auch wurden von den RUF-Rebellen Kindersoldaten eingesetzt, die oft unter Drogen oder Alkoholeinfluss standen und die wahllos mordeten.

Charles Taylor

Im Gegenzug für seine Waffenlieferungen sollen die RUF-Rebellen Charles Taylor mit Rohdiamanten bezahlt haben. Wegen dieses Waffen-Diamanten-Deals werden diese Diamanten aus Sierra Leone Blutdiamanten genannt.

Die Zeugin Naomi Campbell

Auch das Top-Modell Naomi Campbell und die US-Schauspielerin Mia Farrow sagten in dem spektakulären Blut-Diamanten-Prozess aus.
Supermodell Naomi Campbell gab als Zeugin zu, dass sie im Jahr 2007 in Südafrika Diamanten als Geschenk erhalten hat. Es sei schon spät nachts nach einem Dinner mit Nelson Mandela gewesen, als Männer an die Tür ihrer Suite geklopft hätten. Sie habe die Tür geöffnet. Die Männer hätten sich nicht vorgestellt und überreichten ihr ein Geschenk. Da sie sehr müde gewesen sei, habe sie das Geschenk erst am nächsten Morgen geöffnet. ,,Es waren ein paar Steine, die sehr schmutzig aussahen,‘‘ sagte die Campbell im August 2010 vor dem Haager Sierra Leone-Tribunal. Taylor soll der Absender der Diamanten an Naomi Campbell gewesen sein. Das aber ließ Campbell offen.  Hat sie die Diamanten noch?

Die Zeugin Mia Farrow

Mia Farrow widersprach Naomi Campbell in ihrer Zeugenaussage:

,,Naomi wusste, wer ihr die Diamanten geschickt hat. Es war Charles Taylor,‘‘ behauptete Mia Farrow vor dem UN-Tribunal für Sierra Leone in Den Haag. Nach Angaben von Mia Farrow hat Naomi Campbell ihr ,,am Frühstückstisch erzählt, dass ihr Charles Taylor einen riesigen Diamanten geschenkt hat. Sie war ganz aufgeregt, als sie zum Frühstück kam, wo ich mit meinen Kindern schon war. Sie erzählten mir vom Diamantengeschenk in der Nacht,‘‘ behauptete Mia Farrow als Zeugin vor dem UN-Sondergericht in Den Haag. Die Aussage der Ex-Frau von Woddy Allen stand im schrillen Kontrast zu der, die Naomi Campbell kurz davor in Den Haag gemacht hatte.

Im Prozess gegen Charles Taylor ging es hauptsächlich darum, den Zusammenhang: Waffenlieferungen für Diamanten, zu beweisen. Das Gericht sah dies als erwiesen an und sprach Taylor daher schuldig, aber nicht in allen elf Anklagepunkten. Aber Richter Richard Lussinck stellte fest: ,,Herr Taylor ist mit verantwortlich für die im Bürgerkrieg in Sierra Leone begangenen Kriegsverbrechen.‘‘ Nicht bewiesen sei jedoch, dass Taylor den Rebellen in Sierra Leone direkt Befehle erteilt habe.

Die Menschenrechtsorganisation ,,Human Rights Watch‘‘ begrüßte den Schuldspruch für Taylor: ,,Mächtige Führer wie Charles Taylor dachten viel zu lange, dass sie über dem Gesetz stünden und so selbst komfortabel leben könnten,‘‘ sagte Elise Keppler von Human Rights Watch in einer ersten Reaktion auf die Verurteilung von Taylor. ,,Taylors Verurteilung sendet ein starkes Signal aus an all jene, die Macht haben und glauben, diese Macht missbrauchen zu können, um Verbrechen zu begehen.‘‘

/ Textende / Copyright © by HELMUT HETZEL / Den Haag

 

 

feed image


Banner
Banner