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Immer mehr Bettelbriefe für den belgischen König Albert II

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König Albert IIImmer mehr Bettelbriefe für den belgischen König Albert II.

Von HELMUT HETZEL

Brüssel. ,,Hochverehrter König, ich möchte gerne etwas mehr Geld verdienen. Meines ganzes Leben lang habe ich gearbeitet, aber ich habe es nie geschafft im Monat mehr als 1400 Euro zu verdienen. Sie haben es gut, Sie bekommen vom Staat viel Geld, Millionen sogar, können Sie mir nicht etwas überweisen.‘‘ Diesen offenen Brief schreibt Alain Declercq im Internet an seinen König, das belgische Staatsoberhaupt Albert II.
Alain ist nicht der einzige, der sich in diesen sich verdüsternden wirtschaftlichen Zeiten hilfesuchend an den belgischen König Albert II. wendet, um Geld zu erbetteln. In Belgien überschwemmt derzeit eine wahre Flut von Bettelbriefen den königlichen Palast. ,,Normalerweise sind es so rund 250 Briefe, die wir jährlich erhalten und in denen um Geld gefragt wird. Inzwischen sind es Tausende, die hier in den vergangenen Tagen und Wochen eingegangen sind. Die Geldnot bei vielen Menschen muss groß sein,‘‘ verlautet am belgischen Hof, wo man derzeit Überstunden schieben muss, um all die Bettelbriefe von belgischen Bürgern in Empfang nehmen zu können. Die Schreiben, die als wirklich seriös eingestuft werden, werden dann auch beantwortet. Wenn sich zweifelsfrei herausfinden lässt, dass diesem oder jenem vom König geholfen werden kann, weil die Notlage unerträglich geworden ist, dann geschieht das ab und an sogar, so ist zu hören.
Aber die neuerliche Flut der Bettelbriefe übertrifft inzwischen alles. Will man sie nicht einfach als Hype abtun, dann signalisieren die finanziellen Hilferufe an den König aber auch: Viele Belgier scheinen wirklich in finanziellen Engpässen zu stecken. Das gilt übrigens auch für den belgischen Staat, der mit einer Schuldenquote von rund 85 % des Bruttoinlandsprodukts einer der am höchsten verschuldeten in der EU ist.
Belgien ist in der Tat in einer schweren finanziellen Krise. Es geht den Flamen, Wallonen, den Brüsselern und den rund 80.000 deutschsprachigen Belgiern in den Ostkantonen rund Eupen finanziell zwar noch nicht so schlecht wie den Isländern, den Ungarn oder vielen Menschen in der Ukraine. Belgien steht auch – anders als Island – nicht vor dem Staatsbankrott. Doch das kleine Königreich mit seinen rund zehn Millionen Einwohnern leidet enorm unter den Folgen der internationalen Finanzmarktkrise.
Das Finanzdrama des einst so stolzen und großen Banken- und Versicherungskonzerns Fortis hat viele Flamen und Wallonen im wahrsten Sinne des Wortes arm gemacht. Viele belgische Fortis-Anleger haben ihr gesamtes Investment verloren. Bei manchem sind es ,,nur‘‘ einige tausend Euro, bei manchem aber sind es Millionen Euro, die sich in Nichts aufgelöst haben. Insgesamt kostete die de facto Fortis-Pleite den Anlegern 45 Milliarden Euro, die meisten davon wohnen zwischen Antwerpen und Arlon. Besonders hart hat es den noblen Badeort Knokke erwischt. Einst war Knokke eine reiche ,,Fortis-City‘‘ der Millionäre. Nun müssen die ehemaligen Fortis-Millionäre sogar schon beim Einkaufen jeden Cent zweimal herumdrehen, wie Einzelhändler in Knokke berichten.
Aber nicht nur Fortis, auch die anderen belgischen Finanzinstitute wie die KBC-Gruppe oder Dexia brauchten in den vergangenen Tagen staatliche Hilfe. Per Saldo wendete die Brüsseler Regierung inzwischen 20 Mrd. Euro für die Stützung und Sanierung der heimischen Banken- und Versicherungsbranche auf. Zusätzlich wurden Bürgschaften in dreifacher Milliardenhöhe gegeben. Nun stöhnt Belgien unter der Schuldenlast. Immer mehr Bürger flehen daher den König an, er möge ihnen finanziell unter die Arme greifen.
Doch König Albert II. und das belgische Königshaus von Sachsen Coburg ist kein Dagobert Duck. Es schwimmt nicht im Geld, auch wenn es nicht am Hungertuch nagen muss.
Die Finanzmarktkrise in Belgien führt aber nicht nur dazu, dass dem König massenhaft Bettelbriefe geschickt werden. Sie scheint auch andere, ja sogar antimonarchistische Gefühle zu stimulieren. ,,Am besten wir fahren mit Bussen und Lkw’s direkt zum königlichen Palast und treiben unsere Steuergelder ein mit denen das Königshaus finanziert wird. Danach gehen wir gut essen und trinken und rufen die Republik Belgien aus. Das Königshaus ist eh´ viel zu teuer,‘‘ schreibt Tim Verhees aus der Nähe von Antwerpen.
Anders als Alain Declercq ist Tim Verhees für die ganz radikale Lösung. Er will kein Geld vom König. Er will einfach die gesamte Monarchie abschaffen und das viele Geld, das sie kostet an die Bürger verteilen lassen.

/ Textende / Copyright © by HELMUT HETZEL / Den Haag /

Zuletzt aktualisiert am Montag, 09. Februar 2009 um 17:52 Uhr  

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