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Prinz Friso kämpft um sein Leben

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Prinz Johan Friso und Prinzessin Mabel

Prinz Friso noch immer im Koma

Lech die große Wintersport-Liebe der Oranier

Von HELMUT HETZEL

Eine bleierne Stille lag am vergangenen Samstag und Sonntag über der Entwicklung des Gesundheitszustands des am Freitag im österreichischen Lech am Arlberg bei einem Lawinenunglück schwer verletzten Prinz Johan Friso von Oranien-Nassau. Es herrschte das große Schweigen. ,,Die Ärzte teilen mit, dass sich der Gesundheitszustand Seiner Königlichen Hoheit Prinz Friso nicht verändert hat,‘‘ ließ der Hof nur offiziell wissen. Das heißt: Der zweitälteste Sohn von Königin Beatrix der Niederlande liegt immer noch im künstlichen Koma. Er schwebt noch immer in Lebensgefahr. Mit seinem Erwachen wird nun frühestens am Ende dieser Woche (25.2.2012) gerechnet. Erst dann wird man vermutlich auch wissen, wie es wirklich um den 43jährigen Friso steht und wie er die 23 Minuten, die er unter der Schneedecke der Lawine lag, überstanden hat. Die wichtigste Frage lautet: Hat der Sauerstoffmangel sein Gehirn beschädigt? Niemand weiß das bisher.

Banges Warten


Angeblich hat die Wucht der Schneemassen am Körper von Prinz Friso keine weiteren schwerwiegenden Schäden hinterlassen. Das zumindest behauptet der Neuro-Chirurg Kees Tulleken, der mit seinem Kollegen Claudius Thomé, der Prinz Friso in der Uniklinik in Innsbruck behandelt, sprach. Kees Tulleken bestätigte gegenüber dem niederländischen Radiosender BNR auch nochmals ausdrücklich, dass Prinz Friso keine Schädelbasisfraktur erlitten habe. Er widersprach damit ausdrücklich einer Presseerklärung der Innsbrucker Uni-Klinik in der es hieß, diese von der Zeitung NRC-Handelsblad am Samstag berichtete Gesundheitsdiagnose über Prinz Friso sei größtenteils falsch.

Unterdessen harrt die königliche Familie der Niederlande in ihrem Winterferien-Domizil Hotel Post in Lech aus. Dort bewohnen die Oranier einen eigenen Gebäudetrakt. Kronprinz Willem-Alexander (44), der ältere Bruder von Prinz Friso, bat die massenhaft anwesenden Vertreter der Medien darum, ihre Privatsphäre zu respektieren, und er bedankte sich bei den Österreichern und seinen niederländischen Landsleuten für die große Anteilnahme, die seine Familie erhalte.

Lech am Arlberg - Wintersport-Domizil der OranjerPrinz Friso mit Familie

 Prinz Johan Friso mit Familie, Töchter Emma Luana, Joanna Zaria, Gattin Mabel

Die königliche Familie der Niederlande hegt eine große Wintersport-Liebe zu dem österreichischen Skiort Lech. Sie ist mit ihren Gastgebern dort, der Familie Moosbrugger, den Eigentümern von Hotel Post, eng befreundet. Die Freundschaft begann schon im Jahr 1959. Damals weilte der Vater von Königin Beatrix, Prinz Bernhard mit seiner Gattin, der damaligen Königin Juliana, zum Skiurlaub im nahegelegenen St. Anton. Bei einem Besuch in Lech lernte Prinz Bernhard Erich Moosbrugger, den Eigentümer des Gasthofs Post, kennen. Moosbrugger und Prinz Bernhard verstanden sich offenbar auf Anhieb so gut, dass Prinz Bernhard mit seiner Frau zu den Moosbruggers in den Gasthof Post nach Lech umzog. Das war der Beginn einer Freundschaft zwischen den beiden Familien. Denn seither, seit 1959, kommt die königliche Familie der Niederlande jedes Jahr im Februar zum Wintersport nach Lech. Und immer logiert sie seither im Gasthof Post, der sich in all den Jahren von einem einfachen Landgasthof zum einem noblen Luxushotel mit Spa gewandelt hat, seine rustikale Eleganz und Ursprünglichkeit aber nicht verloren hat. Drei Generationen der Oranier lernten in Lech das Skilaufen auf der Piste. Königin Beatrix und ihre Schwestern Margriet und Irene, die Kinder von Beatrix und Prinz Claus, Willem-Alexander, Friso und Constantijn, und jetzt die Kinder von Kronprinz Willem-Alexander und Prinzessin Maxima, Amalia, Alexia und Arianne sowie auch die Kinder von Friso und Constantijn.

,,Von allen Urlauben, die wie jedes Jahr machen, finde ich den in Lech am schönsten,‘‘ sagte der künftige König der Niederlande, Willem-Alexander, einmal über das alljährliche Skierlebnis in Lech am Arlberg.

Solidarität mit Österreich

 Ihre Liebe zu Lech und ihre enge Freundschaft zur Familie Moosbrugger bewies Königin Beatrix eindrucksvoll im Jahr 2000. Damals als Österreich in der EU diplomatisch geächtet wurde, weil in Wien nach den Wahlen die FPÖ von Jörg Haider zusammen mit der ÖVP eine neue Regierung formte, war der politische Druck auf Königin Beatrix groß, nicht nach Lech in den Wintersport zu reisen und sich dem damaligen diplomatischen Boykotts Österreichs durch die EU anzuschließen. Doch die Königin der Niederlande reiste demonstrativ nach Lech und begrüßte ihre Gastgeberin Frau Moosbrugger vor den laufenden TV-Kameras besonders herzlich. Es war eine deutliche und unmissverständliche königliche Geste der Freundschaft mit einer Botschaft, die Königin Beatrix damit aussandte - für die Familie Moosbrugger, für Lech, für Österreich. Zu Hause in Holland wurde Ihre Majestät deswegen heftig kritisiert. In Österreich ist das unvergessen.
Unvergessen ist auch der Winter davor, 1999. Damals war Lech total eingeschneit und von der Außenwelt abgeschnitten. Königin Beatrix, Prinz Claus und ihre Familie mussten per Hubschrauber ausgeflogen werden, weil zu Hause die Pflichten des Staatsoberhauptes riefen. Auch das ging gut. Nun aber werden die bisherigen 52 so glücklichen Wintersporturlaube, die die Oranier bisher in Lech verbringen konnten, von dem tragischen Unfall des Prinz Friso überschattet, der in Lech als Kind das Skilaufen lernte und von einer Lawine in Lech verschüttet wurde.

20.2.2012

/ Textende / Copyright © by HELMUT HETZEL / Den Haag

 

 

Zuletzt aktualisiert am Montag, 20. Februar 2012 um 11:40 Uhr  

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