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Kolumne


Trends 2010 - Ökosex und Weinbar

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Trendmodell 2010

Öko-Sex an der Weinbar

Von HELMUT HETZEL

 

Den Haag. In vielen Regionen Europas ist das neue Jahr frostig und eiskalt gestartet, obwohl fast überall heiß gefeiert und wieder viel geknallt wurde. Neben den obligatorischen Neujahrswünschen wurden die Trends des Jahres 2010 in den Hotels, Salons und den Wohnzimmern heftig diskutiert.

Hier sind sie: In der neuen Dekade des 21. Jahrhunderts betreiben wir ,,ökologischen Sex.‘‘ Öko-Sex will heißen: Auch die Dildos und andere Sex-Spielzeuge und sogar die Kondome müssen umweltfreundlich hergestellt worden sein, bevor wir sie überhaupt zur unserer großen Freude benutzen.


Die Damen tragen in 2010 ein ,,Boyfriend shirt,‘‘ das sie sich von einem ihrer Lover schenken lassen und das als Herrenhemd ihre Weiblichkeit besonders betont, aber nur, wenn es richtig getragen wird.

In der ,,Winebar‘‘ trinken wir regelmäßig,, une Piscine.‘‘ Das ist kein ganzes Schwimmbad voll mit Champagner, sondern die gestreckte Version des prickelnden Getränkes - die Hälfte Schampus, die andere Hälfte trockner Weißwein. Das macht das echte ,,Piscine‘‘ im Glas aus - für den trendy Trinker in der Weinbar jedenfalls.

Anstatt der Last Minute Flights mit einem Billigflieger, ist im dritten Jahr der weltweiten Wirtschaftkrise das ,,Last Minute Shopping‘‘ angesagt, damit wir uns mit dem immer knapper werdenden Geld modemäßig doch noch ein wenig verwöhnen können. Man gönnt sich ja sonst nichts.

Überhaupt ist Oma´s und Opa´s Look aus den angeblich so verruchten Zwanzigern des letzten Jahrhunderts wieder total ,,in‘‘ ebenso wie die Farbe Lila, der Strass und der Straps. Der Vintage-Trend in der Mode geht weiter und wird noch extremer. Also schnell den Dachboden von der Ur-Oma plündern, falls dort überhaupt noch etwas zu finden sein sollte.

Das ,,Convenient- und Fast Food‘‘ sowie die ,,Big Burger‘‘ lassen wir stehen. Wir wenden uns lieber dem ,,Zen Food‘‘ zu, meditieren dabei, essen langsam, kauen sorgfältig und natürlich verspeisen wir nur noch Bio-Produkte und glückliche weil vor der Schlachtung frei laufende Hühner vom Bio-Bauern. Slow Food heißt die neue Ess-Devise. Nur sie führt zur Zen-Erleuchtung.

Die Ego-Tripperei geht auch in 2010 weiter unter dem Motto:

 ,,Nimm dir Zeit für dich selbst. Verwöhne dich und lass dich verwöhnen.‘‘

Mit Zen Food oder anderen Dingen, Hauptsache Mann und Frau kommen einen Schritt vorwärts in der Selbstfindung im neuen Jahr.

Denn eins wissen wir jetzt schon: Es ist wieder ganz schnell vorbei.

 

 

4.1.2010


/ Textende / Copyright © by HELMUT HETZEL / Den Haag

 

Zuletzt aktualisiert am Sonntag, 10. Januar 2010 um 17:09 Uhr
 

Holland: Noch immer Probleme mit Indonesien

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Holland

Die Probleme mit der Kolonialen Vergangenheit

Von HELMUT HETZEL

 

Die Niederlande waren am 27. Dezember 2009 ein einsames Volk. Sie waren wohl die einzigen in der Welt, die der Unabhängigkeit Indonesiens an diesem Tag gedachten. Denn vor 60 Jahren am 27. Dezember 1949 unterschrieb die damalige Königin Juliana die Unabhängigkeitsurkunde für die frühere niederländische Kolonie ,,Nederlands Indie.‘‘


Doch das offizielle Unabhängigkeitsdatum Indonesiens ist der 17. August 1945, der Tag an dem Sukarno und Hatta ihr Land für souverän erklärten.
Die Niederlande erkennen dieses Datum nicht an. Holland ist damit völlig isoliert. Warum? Die Niederländer sind mit ihrer Kolonialgeschichte nicht im Reinen.

Von 1945 bis 1949 führten sie einen Kolonialkrieg gegen die Indonesier. In den Schulbüchern und von den meisten Niederländern wird dieser Krieg bis heute verharmlosend als ,,Polizeiaktion‘‘ (Politionele Actie) bezeichnet. Doch es war ein Krieg, der mehr als 200.000 Indonesiern und etwa 10.000 Niederländern das Leben kostete. Ein Krieg, der nur ein Ziel hatte, die Kolonialherrschaft, die mehr als 400 Jahre gedauert hatte, wieder herzustellen. Das misslang, weil es sinnlos war.

Kurz nach dem 50. Unabhängigkeitstag Indonesiens, Ende August 1995, weilte Königin Beatrix zum Staatsbesuch in Indonesien. Sie brachte weder die moralische noch die politische Größe auf, sich bei den Indonesiern für den grausamen Kolonialkrieg zu entschuldigen und den 17. August 1945 als deren Unabhängigkeitstag anzuerkennen. Entschuldigt hat sich die Haager Regierung inzwischen.

Aber die offizielle Anerkennung des 17. August 1945 durch Den Haag steht immer noch aus. Einsames Holland.

23.12.2009/04.01-2010

/ Textende / Copyright © by HELMUT HETZEL / Den Haag

 

 

Zuletzt aktualisiert am Montag, 04. Januar 2010 um 16:38 Uhr
 

Niederländisch lernen

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                     Niederländische Nordlichter

Von HELMUT HETZEL

Sprache ist Identität. Verschiedene sprachliche Identitäten können aber unter einem staatlichen Dach existieren. Die Schweiz ist das beste Beispiel dafür. Auch die Niederlande sind mehrsprachig. Das Friesische gilt als offizielle zweite Landessprache. Dennoch lieben und pflegen Niederländer ihre Sprache nicht so wie die Flamen in Belgien, die ja auch Niederländisch sprechen. Dafür gibt es einen klaren Beweis. Jedes Jahr, wenn das ,,Große Diktat der Niederländischen Sprache‘‘ als Live-TV-Programm abgehalten wird, gewinnt fast immer ein Flame aus Belgien, weil er oder sie die Muttersprache besser beherrscht und weniger Fehler macht als die von Flandern aus betrachtet ,,niederländischen Nordlichter.‘‘ Umfragen haben ergeben, dass das ,,beste Niederländisch‘‘ - was immer das auch sei - in Antwerpen (Flandern, Belgien) und in Haarlem (Provinz Nord-Holland, Niederlande) gesprochen wird.

Nun hat auch der Haager Minister für Integration die Sprache entdeckt. Eberhard van der Laan heißt er. Er hat seine niederländischen Landsleute zur Sprachpflege aufgerufen. Dagegen ist ja nichts einzuwenden. Nur gegen die Anwendung derselben wie Van der Laan sie will. Er sagte allen Ernstes, die Niederländer sollten gegenüber Fremden Niederländisch sprechen, nicht Englisch, Deutsch, Französisch oder Spanisch, auch wenn sie diese Sprachen beherrschten. Pure Arroganz und, sorry Herr Minister, einfach Schwachsinn. Sprache ist nicht nur Identität, Sprache ist ein Kommunikationsmittel. Warum sollte ich mit jemandem, der mein Land besucht, nicht dessen Sprache sprechen, wenn auch ich diese beherrsche. Das ist Höflichkeit.

27.11.2009

/ Textende / Copyright © by HELMUT HETZEL / Den Haag

 

 

Zuletzt aktualisiert am Samstag, 19. Dezember 2009 um 18:31 Uhr
 

Big Brother in Holland

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                          Holland anno 2012

 

Der Auto-Spion:

Spitzelstaat Holland - Die Stasi könnte neidisch werden

Von HELMUT HETZEL

Es ist der 1. Januar. 2012. Marijke steigt in ihr Auto. Sie fährt los. Ein kleines Kästchen beginnt zu ticken. Das darin eingebaute via Satellit gesteuerte GPS-System registriert jeden Kilometer, den sie durch die Niederlande fährt.

Am Ende eines Monats wird abgerechnet. Dann flattert Marijke die Rechnung in die Mailbox. Der Betrag für die mit dem Auto gefahrenen Kilometer wird automatisch vom Konto abgebucht. Dann folgt die nächste Rechnung. Ein, vielleicht auch zwei, drei oder gar vier Bußgeldbescheide, weil sie in Den Haag oder anderswo zu schnell gefahren ist.

Der Auto-Spion, wie das GPS-Kästchen für die digitale Maut im Volksmund schon heißt, registriert alles. Auch den Besuch im Hotel an der Autobahn A-4. Dort trifft Marijke regelmäßig ihren Liebhaber für ein Schäferstündchen, was ihr Ehemann nicht wissen darf, wird registriert. Registriert wird auch jedes Telefonat, das sie im Auto führt. Der holländische Geheimdienst hört mit. Das GPS-Kästchen zur digitalen Kilometerkontrolle macht es möglich. Schließlich könnte Marijke ja eine Terroristin sein. Marijke hat die Überwachung satt. Sie legt eine kleine Bleiplatte über das GPS-Kästchen. Nun kann sie im Auto nicht mehr kontrolliert werden. Doch die Polizei merkt das schnell. Ihr Auto wird beschlagnahmt. Marijke wird verhaftet. Sie bekommt eine hohe Geldstrafe. Die kann sie nicht bezahlen. Sie muss ins Gefängnis. Denn das Sabotieren oder Manipulieren des alles kontrollierenden GPS-Systems im Auto ist eine Straftat. So könnte es vielen Holländern gehen, wenn ab 2012 das digitale ,,Rekening rijden‘‘ - auf Rechnung fahren - eingeführt wird.

20.11.2009

/ Textende / Copyright © by HELMUT HETZEL / Den Haag

 

 

Zuletzt aktualisiert am Samstag, 19. Dezember 2009 um 16:21 Uhr
 

Männer und Emanzipation in Holland

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Borat String

Männer-Emanzipation à la hollandaise


Von HELMUT HETZEL

Den Haag. Wann ist der Mann ein Mann? Das fragt der deutsche Liedermacher Herbert Grönemeyer in einem seiner Songs. Für den niederländischen Mann lautet die Antwort: Wenn er sich seine eigene Unterhose selbst kaufen kann. Denn wenn Männer sich in der Boutique ihre Unterwäsche selbst aussuchen und bezahlen, gilt das als ein Zeichen der Emanzipation des so genannten starken Geschlechts. Insbesondere bei Feministinnen. Sage und schreibe 56 % der niederländischen Männer sind dieser Definition zufolge inzwischen emanzipiert. Ein Rekord. Denn Niederländer nehmen damit laut Umfragen einen Spitzenplatz in Europa ein. Der Holländer kauft aber nicht nur seine eigenen Boxershorts nun meist selbst, er sucht auch immer häufiger die Dessous für seine Frau oder für seine Geliebte aus. Das tun inzwischen 15 % aller Niederländer.

Außerdem: Die Hälfte der Männer im Land der Tulpen und des Joints sehen ihre Frau ohnehin am liebsten in erotischen Dessous durch die Wohnung laufen. Aber darin unterscheidet sich der niederländische Mann sicher nicht von Männern anderswo auf der Welt. Was aber macht ihn, den Nicht-Macho aus Holland, dem auch das Image des Weicheis anhängt, plötzlich so selbstbewusst? Antwort: Der emanzipierte niederländische Mann ist modebewusster geworden. Während die holländische Frau, wenn sie für ihn einkauft, durchschnittlich nur spärliche zehn Euro für die Unterhose ihres Mannes auf den Ladentisch legen will, gönnt sich der emanzipierte niederländische Mann jetzt mehr, wenn er selbst seinen Short wählt.

Er verwöhnt sich. Er gibt dafür doppelt so viel aus wie sie, um seine Männlichkeit passend zu kleiden.

13.11.2009

/ Textende / Copyright © by HELMUT HETZEL / Den Haag

 

 

Zuletzt aktualisiert am Samstag, 19. Dezember 2009 um 15:43 Uhr
 


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