Hetzel Media - News Benelux

  • Schrift vergrößern
  • Standard Schriftgröße
  • Schriftgröße verkleinern

Wouter Bos und seine Sonnenbrille

E-Mail Drucken PDF



ray_ban_sonnenbrillen_0rb2151__901

Die Sonnenbrille des Finanzministers Wouter Bos


Von HELMUT HETZEL

Den Haag. Michael Jackson tot. Der Iran im Ausnahmezustand, Nato-Soldaten, die in Afghanistan sterben, aber in den Niederlanden erregt man sich gerade besonders über die Sonnenbrille des Finanzministers Wouter Bos. Klar, die holländischen Fans von ,,Jacko,‘‘ dem King of Pop, trauern auch, aber dass der Finanzminister eine Sonnenbrille, die ihm angeblich auf einem EU-Gipfel in Brüssel abhanden gekommen ist, deklariert, und er damit den Verlust dem Steuerzahler aufbürden will, das regt schon viele Niederländer richtig auf. Ganze 113 Euro will der Haager Finanzminister Wouter Bos nämlich vom niederländischen Staat zurück, weil er seine Supersonnenbrille der Marke Ray Ban nicht mehr hat und er sich nun eine neue kaufen muss. Auf Kosten des Steuerzahlers, wie er meint. Schließlich ist ihm sein gläserner Sonnenschutz ja während seiner dienstlichen Tätigkeit in der EU-Hauptstadt Brüssel abhanden gekommen. Gestohlen, so wird gemutmaßt. Vielleicht hat er sie ja auch nur liegen lassen. Aber ganz Holland fragt sich jetzt: Wer läuft denn nun mit der Ray Ban-Brille des niederländischen Finanzministers in Brüssel durchs Europa-Viertel oder über den Großen Markt, dem Grand Place?

Wouter Bos

 

Der Haager Finanzminister Wouter Bos - ohne Sonnenbrille

 

Holland rätselt: Hat Jose Manuel Barroso vielleicht zugelangt - der portugiesische EU-Kommissionspräsident, der auch einmal mit einer Ray Ban-Brille so richtig hip und cool aussehen wollte, wie der smarte blonde Finanzminister Wouter Bos aus dem Land der Tulpen?


Oder war seine niederländische Kollegin Neelie Kroes, EU-Wettbewerbskommissarin und berühmt sowie berüchtigt für ihre modischen Eskapaden, am richtigen Ort zur richtigen Zeit, um sich die Ray Ban-Sonnenbrille von Wouter Bos schnell zu grabschen und sich zu re-stylen?
Wer weiß. Jedenfalls ist die Brille weg. Und der Finanzminister, der mehr als 15.000 Euro im Monat verdient, kann sich keine neue kaufen. Der Steuerzahler soll´s richten und die neue Brille bezahlen, sonst könnte der Finanzminister ja pleite gehen.

Die Bos-Brille ist inzwischen zu einem Politikum geworden. Ministerpräsident Jan Peter Balkenende schlachtet den Brillen-Fauxpas seines Finanzministers Wouter Bos schon genüsslich aus. ,,Ich habe ein Gehalt, ich deklariere nie,‘‘ stellt er mit großer Genugtuung auf seiner wöchentlichen Pressekonferenz fest. Es ist ein heftiger aber auch ein gelungener Seitenhieb des Christdemokraten Balkenende auf seinen sozialdemokratischen Finanzminister, der gerade wieder - locker vom Hocker - 2,5 Milliarden Euro als Finanzspritze für die ABN Amrobank flüssig machte, damit diese die Finanzkrise überleben kann.


Bos und die Brille. Das ist in den Niederlanden inzwischen schon so als wäre Nana Mouskouri in der Regierung und würde das Haager Kabinett mit ihrem Brillen-Outfit adeln. Nur Finanzminister Wouter Bos ist jetzt ohne Brille. Er könnte die Brillenexpertin schlechthin, nämlich Nana Mouskouri nun als Beraterin engagieren, um zu erfahren, welche neue Sonnenbrille welcher Marke er sich nun kaufen soll. Der Brillenkauf wird sich im Haushalt der Niederlande deutlich bemerkbar machen. Mit mindestens 113 Euro auf der Soll-Seite. Soviel sollen die Niederländer für eine neue Brille ihres Finanzministers bezahlen. Nicht mehr und nicht weniger. Aber vielleicht hat der Finanzminister mit einer neuen (Sonnen-)Brille künftig wieder eine klarere Sicht auf die leeren Kassen des Landes - und auf sich selbst.
28.6.2009

/ Textende / Copyright © by HELMUT HETZEL / Den Haag

Zuletzt aktualisiert am Mittwoch, 01. Juli 2009 um 08:57 Uhr  

feed image