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Eine niederländische Erfindung

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wielklem-21Das ,,gelbe Monster‘‘ ist weg
Amsterdam hat die Radklemme abgeschafft

Von HELMUT HETZEL

Amsterdam. Niederländische Autofahrer können aufatmen. Und nicht nur sie. Auch Millionen Touristen, die alljährlich zur Tulpenblüte in die Niederlande oder zu einem Besuch im Van Gogh-Museum per Auto nach Holland anreisen, dürfen sich freuen. Denn Amsterdam hat endlich die Radklemme ageschafft. Andere Städte in den Niederlanden  haben es schon gemacht. In Amsterdam war es am 1. Januar 2009 soweit. Endlich. Das ,,gelbe Monster‘‘ - verschwand endlich. Die Radklemme wird nun verschrottet. Amsterdam ist für Autofahrer und für Besucher aus dem Ausland wieder etwas freundlicher geworden.

Das schreckliche Ding war der Horror eines jeden Autofahrers, der in den Niederlanden unterwegs war. Es ist eine der hässlichsten und bösartigsten Erfindungen, die Niederländer je gemacht haben. Denn die stählerne Radklemme wurde den Autofahrern schon für kleinste Vergehen auf ein Rad ihres Fahrzeuges geschraubt. Vor allem dann, wenn die Parkzeit irgendwo auf einem Parkplatz abgelaufen war. Kam der Fahrer des Autos dann zurück und erblickte er das ,,gelbe Monster‘‘ an seinem Fahrzeug, dann war ihm die Laune und war dem Touristen der Urlaub in Holland ein für alle Mal verdorben. Denn um das Monster wieder vom Rad zu bekommen, musste sich der so geschädigte und immobil gemachte Autofahrer nun auch noch den bürokratischen Schikanen der niederländischen Polizeibehörden unterwerfen. Die hatten sich
nämlich ausgedacht, dass es in der ganzen Stadt nur eine Stelle geben durfte, wo man sie zu melden hatte. Dort musst der Radklemmen geschädigte Autofahrer hin. Hatte er die nach langem Suchen und einer in der Regel teuren Taxifahrt dann endlich gefunden, wartete erst mal der nächste Schock: Die Warteschlange. Denn jeder, dessen Auto mit der Radklemme fahruntüchtig gemacht worden war, musste sich hier melden. War man dann endlich
bis zum Schalter vorgedrungen, um das Bußgeld, das immer dreistellig war und ab 100 Euro begann, zu bezahlen, dann kam die nächste Schock-Keule der meist unfreundlichen Beamten. Denn wer gedacht hatte, nach dem Bezahlen des Bußgeldes werde das schreckliche ,,gelbe Monster‘‘ sofort entfernt, der wurde nun wieder um eine Illusion ärmer.

Radklemme

Niederländischer Polizist montiert eine Radklemme  - ,,wielklem'' auf Niederländisch - Die Radklemme ist eine holländische Erfingung


Die holländische Polizei ließ sich Zeit, viel Zeit bis sie sich bemühte, das Radmonster wieder abzuschrauben. In der Regel vergingen Stunden, manchmal auch ein halber oder ein ganzer Tag bis die Beamten mit ihrem Spezialschraubenschlüsseln anrückten, um die Radklemme zu deaktivieren. Hatte der vom ,,gelben Monster‘‘ geplagte Autofahrer auch diese Tortur noch überstanden, dann konnte er endlich wieder einsteigen, den Motor anlassen und weiterfahren.
Manche, vor allem ausländische Touristen, schwörten sich nach der Begegnung mit dem ,,gelben Monster,‘‘ dass sie die Niederlande nie mehr besuchen werden. Die scheußliche Radklemme war einer der Gründe dafür, dass die Touristenströme nach Holland in den vergangenen Jahren regelmäßig abnahmen.
Denn Hundertausende von solchen Radklemmen wurden von den Polizeibeamten Jahr für Jahr an fremde Auto montiert. In Amsterdam waren es im vergangenen Jahr
22.000 platzierte Radklemmen. Damit nahm die Stadt mindesten 2,2 Mio. Euro an Bußgeldern ein.


Und das seit 1983, dem Jahr an dem das ,,gelbe Monster‘‘ in den Niederlanden das Licht der Welt erblickte. ,,Nun brauchen wir es nicht mehr,‘‘ meint der für den Verkehr zuständige Amsterdamer Stadtrat Tjeerd Herrema. Fällige Bußgelder für Verkehrsübertretungen könnten heute einfacher und unbürokratischer erhoben werden, nämlich einfach durch einen Strafzettel, den man hinter den Scheibenwischer klemmt. Was für eine scheinheilige Begründung dafür, dass man Millionen von europäischen Autofahrern ein ganzes Vierteljahrhundert lang mit dem ,,gelben Monster‘‘ drangsaliert hat.

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/ Textende / Copyright © by HELMUT HETZEL / Den Haag /

Zuletzt aktualisiert am Dienstag, 24. März 2009 um 16:46 Uhr  

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